Nach Porto da Cruz

24.05.2001

Der nächste Schock

Die Schaukelei in dem relativ weichen Bett hatte sich in Grenzen gehalten und so wachten wir recht erholt wieder auf. Wie gestern piepste der Wecker um 6.30h, aber um diese Jahreszeit war es auf Madeira so früh noch gar nicht richtig hell. Um 7.00h standen wir auf und machten uns Frühstück.

Schon wieder ein Schock für den Ralle: er hatte beim Einkaufen gestern koffeinfreien Kaffee erwischt. Und das auf einer portugiesischen Insel, wo der Kaffee so fein war! Es hätte nicht viel gefehlt und er hätte die ganze Dose entsorgt ...

Wir mischten unseren Kaffee mit dem koffeinfreien Kaffee. Ich fand, dass der Geschmack gar nicht so schlimm war, aber der Ralle wurde nicht müde zu betonen, wie grässlich das Gesöff sei. Neuen Kaffee kaufen wollte mein sparsamer Allgäuer dann aber auch nicht.

Entlang der Küste

Kurz nach 8 Uhr verließen wir Canišal auf einem schmalen Weg am Meer entlang in Richtung Machico. Wir folgten einer Tour, die im Führer genau anders herum beschrieben war. Am Anfang war das kein Problem, doch nachdem wir über ein kleines steinernes Bogenbrücklein gegangen waren, verschwand der Weg beinahe im dichten Bewuchs. Da der Führer keine große Hilfe war, mussten wir ziemlich aufpassen.

Es war nicht einfach, dem Pfad zu folgen. Offensichtlich war der Weg nicht allzu häufig begangen, denn Gras, Büsche und Ranken wuchsen quer über den Weg, so dass das Gehen manchmal ein wenig beschwerlich war - vor allem dann, wenn die Ranken Brombeeren waren.

Ich war froh, dass ich die lange Hose angezogen hatte, auch wenn es ziemlich warm war. So verkratzte ich mir die Wadeln nicht gar so. Als der Ralle dann noch ein kleines 8-beiniges Tierchen von seinem Bein pflückte, war ich noch froher: Er hielt eine Zecke in der Hand!

Die lokale Fauna

Wir Der letzte Stier auf dem Rueckzug streiften die Tierchen so gut es ging von den Beinen und der Hose und beeilten uns, aus dem verwachsenen Hang zu kommen - was nicht ganz einfach war, denn vor uns hatten sich drei junge Stiere auf dem Pfad niedergelassen. Angesichts des dichten Bewuchses des Hangs war es aussichtslos, die 3 Jungs umgehen zu wollen. Wir hielten also auf sie zu und hofften, dass die drei Kerle die Klügeren wären.

Tatsächlich, Schritt für Schritt zogen sich die Tiere vor uns zurück und machten uns in einem kleinen Wäldchen Platz. Ich war sehr erleichtert. So richtig wohl war mir bei dem Gedanken, die Stiere womöglich mit Gewalt vom Weg drängen zu müssen, nicht gewesen. Und ich war heilfroh, dass die Tiere noch so jung waren.

Kurz nach dem Wäldchen kamen wir auf ein Plateau auf einem Grat. Hier untersuchten wir uns gegenseitig auf Zecken. Es sah bestimmt witzig aus, wie jeweils einer von uns die Hosen runterließ und sich die Kehrseite vom anderen absuchen ließ. Aber die Maßnahme war sinnvoll und nötig. Die Zecken waren an der Innenseite der Kleidung ein ganzes Stück weit nach oben gekrabbelt. Glücklicherweise hatte noch keine zugebissen. Wir wussten ja nicht, ob die madeirensischen Zecken auch so grässliches Zeug übertragen wie die in Deutschland heimischen. Wir wollten jedenfalls sicher gehen.

Der restliche Pfad war weniger überwachsen. Wir erreichten einen schönen Aussichtspunkt direkt über Machico und machten uns von dort aus auf den Weg, die Insel von Süden nach Norden zu überqueren.

Die erste Levada

Dabei machten wir Bekanntschaft mit unserer ersten Levada, der Levada do Canišal. Die Levadas sind das uralte Bewässerungskanalsystem auf Madeira. Vom vergleichsweise regenreichen Norden führen offene Kanäle Wasser über viele Kilometer mit minimalem Gefälle quer über die Insel.

Sie sind je nach Gelände nett bis spektakulär angelegt. Teilweise wurden Levadas in senkrechte Felswände gehauen, um keine Höhenmeter zu verschenken. Wo der Weg außen herum allzu umständlich wurde (oder nicht möglich war), wurden die Kanäle durch Tunnels geführt.

Neben diesen Kanälen gibt es Wartungswege, deren Breite je nach Gelände zwischen 2 Metern und 30cm liegt. Durch die Levadas gibt es auf Madeira ein Netz aus Wegen, die nahezu keine Steigung aufweisen und die dennoch durch die spektakulärsten Landstriche führen. Die Levadas stellen allerdings teilweise sehr hohe Ansprüche an Trittsicherheit und Schwindelfreiheit.

Die Wanderung entlang der Levada do Canišal war richtig angenehm. Wir waren inzwischen in so einer Art Heide- und Lorbeerwald angelangt und es war richtig schön kühl. Nach dem warmen Aufstieg durch den Zeckenhang, war das eine willkommene Abwechslung. Von den viele Blumen, die angeblich überall entlang der Levadas wachsen sollten, war hier allerdings noch nichts zu sehen.

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© 1997 - 2003 Andrea Kullak