Bolivien: Salar de Uyuni

11.06.2010

Bolivianische Pünktlichkeit ist dann doch etwas anderes als Chilenische Pünktlichkeit (die sich allem Anschein nach doch ein wenig von der im Rest Südamerkikas unterscheidet). Trotz der herben 'Drohung', dass es um halb Acht weiter gehen sollte, tauchte Walter erst gegen Acht auf. Wir tappten vorher ein wenig irritiert in der Gegend herum, denn ohne Walter war von hier kein Fortkommen.

Schliesslich tauchte der Jeep unten am Fluss auf und es konnte weiter gehen. Am anderen Ende von Vilamar (etwa 500m hinter dem Hostal, die 10 Häuser von Vilamar sind breit gestreut) fand sich ein Schlagbaum. Es dauerte auch nicht lang und dann tauchte eine Frau auf, die Walter 20 Bolivianos abknöpfte und ihm dafür ein Zettelchen in die Hand drückte. Wir tuckerten gemütlich über eine breite Piste über eine weite Ebene. Erstaunlicherweise schlängelte sich die Piste mit ein paar Kurven und 90-Grad-Biegungen über die Ebene, auf der sich eigentlich keinerlei Hindernisse befanden.

Schon nach kurzer Zeit bog Walter nach links ab und fuhr zu ein paar einzeln stehenden äusserst skurril aussehenden Felsformationen. 'El Valle de la Roca' meinte Walter und liess uns eine halbe Stunde Zeit, darin herumzulaufen und zu fotografieren. Die Sonne stand genau richtig für wunderschöne Bilder und die rauen griffigen Felsen flehten geradezu darum beklettert zu werden. Wir hatten viel Spass, bevor wir zur Weiterfahrt gerufen wurden.

Die folgende Attraktion war ein wenig weiter weg. Bevor wir dahin gelangten galt es zunächst von der höher gelegenen weiten Ebene von Vilmar auf eine ebenso weite tiefer gelegene und sichtlich feuchtere Ebene zu fahren. Dort unten gab es viele Lamas, gelegentlich Indigenos zu Fuss oder auf Fahrrädern und sogar einen richtigen Bach, den wir queren mussten. Wir folgten der breiten Piste an diesem Bach entlang. Es wurde 'belebter', mit hier und da ein paar Häusern und einer gelegentlichen Minen-Stadt rechts oder links. Zwischendurch - Wunder! - gab es sogar Handy-Empfang.

Nach schätzungsweise zwei Stundent bog Walter in ein Dorf ab. 'San Cristobal' verkündete er und liess uns ein wenig im Dorf umher gehen und die Füsse vertreten. Es gab einen kleinen Markt an der Hauptstrasse und eine ganz nette Kirche. Rund um die Kirche sammelten sich gerade Indigenos mit Instrumenten, grösstenteils immense Blasinstrumente. Es wurden immer mehr.

Und dann formierte sich die ganze Truppe hinter einem Priester und 4 Leuten, die eine Statue trugen, und fing an zu spielen. Nicht unbedingt koordiniert und harmonisch aber mit viel Elan und Begeisterung. Während die Prozession langsam durch die Strassen zog und dabei nur gelegentlich eine erkennbare Melodie produzierte, gingen wir zurück zum Jeep um weiter zu fahren. Walter hielt noch einmal an, damit wir bebachten konnten, wie sich die Prozession ihrem Ziel (eigentlich nur eine Querstrasse von der Kirche entfernt) näherte.

Wir fuhren weiter nach Uyuni, wo uns das Mittagessen in der Zentrale der Agentur (ich glaube immer noch, das war 'Colque Tours') erwartete. Vorher aber sollte es einen Abstecher zum Eisenbahnfriedhof vor Uyuni geben. Darauf waren wir alle ziemlich gespannt, denn sämtliche Bilder von diesem Friedhof sehen fantastisch aus.

Der Friedhof liegt direkt neben Uyuni, irgendwo in dieser weiten Ebene (ja, ich wiederhole mich, aber da ist wirklich alles weit und eben) aus Salz und Sand, in der der Ort liegt. Man sieht den Eisenbahnfriedhof schon von weitem - vor allem die Rahmen der Wagons - aber erst wenn man recht nah dran ist, kann man auch erkennen, um was es sich handelt. Tonnenweise Alteisen!

Walter gab uns leider nur eine halbe Stunde wegen des Mittagessens, mit dem dem Damen der Agentur bereits auf uns warteten, aber die nützten wir restlos aus. Für das viele alte rostige Eisen des Friedhofs wäre Abendlicht gut gewesen, um die Stimmung schön einfangen zu können. Das harte Mittagslicht machte das Fotografieren ein wenig schwierig. Wir machten das Beste draus und kletterten ungehindert überall hinein und durch.

Uyuni selbst ist nicht allzu gross, aber doch ganz eindeutig eine Stadt. Was man dort vor allem findet, sind Tour-Veranstalter. Zumindest hatten wir den Eindruck, als wir nach dem Mittagessen in der Agentur noch ganze 2 Stunden bekamen, um im Ort herum zu laufen. Soviel hätte es nicht wirklich gebraucht, Uyuni hat nicht viel zu bieten. Schon gar nicht um die Mittagszeit, wo die Vormittags-Aktivitäten (Markt) vorbei sind und das Abendvergnügen (was auch immer das sein mag) noch nicht begonnen hat. Da fällt dann ziemlich auf, dass die Stadt dreckig und heruntergekommen ist. Oder zumindest so wirkt, mir fehlt da der Vergleich.

Es ging weiter nach Colchani, von wo es dann zum eigentlichen Highlight der Bolivien-Tour gehen sollte, zum Salar de Uyuni. Gleich am Anfang passierten wir eine Stelle, wo Salz abgebaut wurde. Ganz archaisch. Da kratzen Leute mit langstieligen Werkzeugen Salz von der Oberfläche und türmen kleine Haufen auf, die dann später auf betagte Laster geschaufelt werden. Der industrielle Salzabbau zur Lithium-Gewinnung konnte das aber nicht sein.

Ein Stück weiter gab es ein 'Hotel de Sal', ein Gebäude mit Museum, das ganz und gar - Mauern wie Einrichtung - aus Salz errichtet wurde. Sogar einen kleinen Salz-Pool gab es im 'Garten' des Hotels. Zum Bau werden Blöcke aus dem Salz geschnitten, aufeinander gestapelt und mit Salz-Matsche als Mörtel verbunden. Das sieht ganz hübsch aus, vor allem, da wir inzwischen weit genug auf dem Salar waren, um rundherum nur flaches Salz sehen zu können.

Um zur Isla del Pescado (Die so genannt wird, weil sie von oben wie ein Fisch aussieht. Eigentlich heisst sie aber Isla Incahuasi.) zu kommen, mussten wir erst mal 60 Kilometer quer über den Salar fahren. Und dann waren wir erst in der Mitte des Salars, denn der ist 108 Kilometer breit und 80 Kilometer lang! Es dauerte eine Stunde, um bis zur Insel zu gelangen. Ich glaube, bis auf Walter schliefen wir alle kurz ein.

Die Isla Incahuasi zeichnet sich vor allem durch die Kakteen aus, die dort wachsen. An einem Kaktus war ein Schild, dass er erst 2007 umgefallen sei, über 12 Meter hoch und etwa 1200 Jahre alt gewesen sei. Beeindruckend. Wir mussten ein Ticket lösen (die Insel ist natürlich eine Touristen-Attraktion) und durften dann auf einem ausgeschilderten Fussweg über die Insel spazieren. Neben den vielen Kakteen hat die Insel ziemlich schräges Gestein zu bieten. Zusammen mit dem endlosen Salar unter einem ist das schon ein sehr sehr seltsamer Ort.

Als wir uns wieder bei Walter am Jeep einfanden, hatte sich die Sonne schon ziemlich zum Horizont gesenkt und tauchte das rote Gestein der Insel in wunderbares Licht. Statt geradeaus über den Salar weiter zu fahren, bog Walter nach Süden ab. Eine richtige Piste gab es natürlich nicht auf dem Salar, aber man konnte die 'Strassen' über den Salar anhand der Reifenspuren ganz gut erkennen.

Walter fuhr bald von der Piste runter und fuhr auf einen recht unberührten Teil des Salars. Hier hatte der Salar viele kleine 'Pickel', die in dem schrägen Licht sehr schön zur Geltung kamen. Nachdem wir ein paar Fotos gemacht hatten, suchte uns Walter einen Teil des Salars, wo es diese hexagonalen Formen auf dem Salz hatte, die auf so vielen Bildern vom Salar zu sehen sind. Auch hier war das flach einfallende Licht des Sonnenuntergangs hinter uns eine Wohltat. Es war ein Fest! Für's Auge und für die Kameras.

Nach Sonnenuntergang fuhren wir weiter nach Süden, bis wir auf eine 'richtige' Strasse auf einer Art Damm trafen. Auf der fuhren wir auf die begrenzenden Berge zu und erreichten unser 'Hotel de Sal'. Das lag zwar nur am Rand des Salars, aber es war ebenfalls komplett aus Salz gebaut. Auch die Betten und die Einrichtung.

Auf den Betten lagen Matten und Decken, auf den Tischen Glasplatten und man setzte sich auf Kissen auf den zu Hockern gestapelten Salz-Blöcken. Es gab sogar eine heisse Dusche in diesem Hotel. Insgesamt war es ganz gemütlich im Hotel de Sal. Einziger Negativpunkt war, dass das Hotel wie der Salar nur auf etwa 3600m Höhe lag und nicht wie wir gedacht hatten auf 4500m. Damit war der Akklimatisationsnutzen der Tour leider nur noch bedingt vorhanden.

Nach dem Abendessen stellte uns Walter vor die Wahl entweder Route1 oder Route2 für die Rückfahrt zu wählen. Angesichts der Sprachprobleme war es ein wenig problematisch heraus zu bekommen, was die Vor- und Nachteile der beiden Routen sein sollten. Eine Route würde wieder über Vilamar führen, die wollten wir nicht, denn da waren wir ja schon. Mithilfe eines Franzosen, der Englisch konnte und einer Chilenin, die Französisch konnte, konnten wir das dann aber doch klären. Dachten wir.

Bilder:
Felsen im Valle de Roca   Walters Jeep vor dem Valle de Roca   Flamingo in der 'Tiefebene' (~3600m) vor San Cristobal   Die Kapelle von San Cristobal sammelt sich vor der Kirche   Begeisterter Musiker in San Cristobal   Lokomotive im Eisenbahnfriedhof vor Uyuni   Kesselwagen im Eisenbahnfriedhof vor Uyuni   'So ist das Leben'<br/>'Mechaniker mit Erfahrung gesucht!'<br/>'Dringend!'   In der Fussgängerzone von Uyuni   In der Mittagszeit tobt das Leben in Uyuni   Salzabbau in Handarbeit   Fahnenparade vor dem Hotel de Sal   Das Hotel de Sal bei Colchani   Die Isla Incahuasi (Haus der Inka)   Stacheliger Geselle   Salzstrukturen auf dem Salar de Uyuni   Gruppenbild mit Walter und Jeep auf dem Salar de Uyuni   Sonnenuntergang am Salar de Uyuni   Unser Zimmer im Hotel de Sal am Rand des Salar de Uyuni   Die 'Bar'   Der Gastraum des Hotel de Sal am Rand des Salar de Uyuni  

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