Geysire und eine Oase

26.06.2010

Nach einem einigermassen frühen Frühstück, wo wir gut und aufmerksam versorgt wurden, machten wir uns auf den Weiterweg. Zum Tanken und weil es im Hochland keine Verbindung nach Süden gab, mussten wir runter auf die Zwischenebene, wo wir bei Huara, nicht weit weg von Humberstone, wieder auf die Panamerikana treffen würden.

Sehr erfreulich daran fand ich, dass wir den gesamten Weg bis nach Humberstone auf geteerten Strassen zurücklegen würden. Wenn man lang genug auf holprigen Wellbechpisten fährt, lernt man geteerte Strassen wirklich schätzen, egal ob mit Schlaglöchern oder ohne.

Wir wollten auf jeden Fall versuchen, diese vermaledeiten Geysire von Puchuldiza noch zu finden. Der Mann am Empfang unseres Hotel hatte immerhin schon mal davon gehört und meinte, da müsse es es grosses Schild an der Strasse haben. Das klang doch vielversprechend. Wir fuhren los, wie auf Samt auf der wunderbaren geteerten Strasse.

Die Freude dauerte nicht lang, denn dann wurden wir auf eine Behelfspiste neben der Strasse umgeleitet. Wir holperten auf einer staubigen Wellblechpiste neben einer wunderbar ausgebauten, pechschwarzen, frisch markierten, nigelnagelneuen und komplett leeren Strasse her, mal rechts mal links, aber nie drauf. Pfffffff!

Mit dem grossen Schild hatte der Hotel-Mann ein wenig übertrieben, aber es gab immerhin ein Schild, auf dem Mauque angegeben war, das laut Karte in der Nähe von Puchuldiza sein sollte. Nach einigen Kilometern breiter Piste bog eine schmale Piste nach links ab, der Karte nach die Piste nach Puchuldiza. Wir hoppelten über einen kleinen Pass, vorbei an ein paar Häusern und sahen dann tatsächlich ein grosses Geothermiefeld vor uns.

Ich fuhr und musste mich dabei konzentrieren. Viel sieht man da nicht von der Landschaft. Der Ralle als Beifahrer konnte aber in der Gegend umher gucken und rief plötzlich, dass er einen Geysir gesehen habe. Wenigstens 20m hoch! Auch Claudine und Yak hatten das gesehen.

Gespannt fuhren wir langsam auf das Geothermiefeld drauf - immer deutlichen Jeepspuren folgend - und kamen bald an ein eingezäuntes abgesperrtes Wasserloch, in dem es fröhlich blubberte. Das musste der Geysir sein. Wir parkten die Autos in einigem Abstand, stellten uns foto-bereit am Rande der Absperrung auf und warten. Und warteten. Und warteten.

Abgesehen davon, dass es in dem Loch mal mehr, mal weniger blubberte, passierte weiter nichts. Dafür bekamen wir Besuch. Während wir gespannt auf das Wasserloch blickten, schlich sich von hinten ein Anden-Schakal an. Anfangs huschte er noch versteckt von Grasbüschel zu Grasbüschel, dann aber ordnete er uns korrekt als harmlose Touristen ein und spazierte nicht weit weg von uns über die Piste und setzte sich hin. Er blickte uns erwartungsvoll an.

Ganz klar, der wollte etwas zu Fressen, aber der Versuch ihm Schoko-Kekse zu geben, scheiterte. Der Schakal lief ohne zu zögern dort hin, beschnupperte den Keks, trug es ein paar Meter weiter und liess es dann fallen. Schokokekse sind wohl nichts für Schakale.

Da sich an unserem Wasserloch nichts tat, sahen wir uns weiter um. Es blubberte und dampfte an mehreren Stellen. Unterhalb des Wasserlochs gab es sogar einen kleinen gemauerten Pool, aber das Wasser darin war grad mal handwarm und lud bei Temperaturen um Null Grad nicht wirklich zum Baden ein.

Ein Stück weiter senkte sich das Geothermiefeld nach unten ab und da hatte es ebenfalls ein paar Wasserlöcher. Und aus einem davon - einem ziemlich kleinen - sprudelte tatsächlich regelmässigen Abständen eine kleine Wassersäule empor. Wir fuhren hinunter.

Der kleine Geysir war gar nicht so klein, wie er von oben ausgesehen hatte. Und er war zuverlässig. Etwa jede Minute sprudelte eine Wassersäule von guten 2 Metern aus einem winzigen Loch im Boden. So kann man natürlich prima Fotos machen. In einer der Pausen beguckte ich mir das Loch im Boden genauer: Es sah fast so aus, als habe jemand eine Röhre in den Boden gesteckt. Aber diese Röhre hatte sich der kleine Geysir aus den Ablagerungen im Wasser wohl selbst gebaut.

Unser Freund der Schakal folgte uns noch immer, als wir im unteren Teil des Geothermiefelds umher liefen und uns alle Wasserlöcher genauer anschauten. Der kleine Geysir war ihm aber nicht geheuer, denn immer wenn der ausbrach, machte der Schakal einen erschreckten Satz zur Seite.

Schliesslich hatten wir so ziemlich jedes Wasserloch und Sprudelbecken gesehen und machten uns auf den Weiterweg. Erst über die kleine und dann über die grosse Piste zurück zur Strasse und dann Richtung Meer. Noch immer mussten wir meistens neben der neuen schönen Strasse fahren, nicht darauf.

Die Strasse von Colchane nach Huara führt in grossen Höhe durch allerlei bunte Sandsteinhügel, die ganz interessant sind und immer wieder anders aussehen. Kurz bevor es hinab zur Zwischenebene ging, machten wir noch Pause und Brotzeit an ein paar sehr skurrilen Felsen, in denen wir ein wenig umher stapften. Dann ging es zurück in die Jeeps.

Die Zwischenebene mit der Panamerikana war noch immer so trist und langweilig und grau wie auf der Fahrt in den Norden. Selbst nach der langen Fahrt durch die kargen Sandsteinhügel fiel das auf. In Huara suchten wir zunächst nach eine Tankstelle, doch es gab keine. Man schickte uns 30 Kilometer weiter nach Pozo Almonte.

In Pozo Almonte konnten wir problemlos tanken. Dort beschlossen wir, noch bis Pica zu fahren und uns dann am nächsten Tag auf den Weg zum Aucanquilcha zu machen, einem einfachen 6000er, dessen Besteigung wir uns schon in Putre überlegt hatten.

Pica überraschte uns. Zwar war der Ort im Reiseführer als Oase bschrieben, als wir dann aber nach dem vielen Sand, Salz und Felsen der Hochebene und dem grau der Nicht-Landschaft der Zwischenebene in Pica tatsächlich eine Oase vorfanden, mit Zitrushainen rundrum, Gärten vor den Häusern und einem wunderbar bepflanzten Stadtpark mit vielen blühenden Pfanzen und Bäumen, konnten wir kaum glauben, was wir sahen. Pica und der Stadtpark war Balsam für die Augen und für's Gemüt.

Claudine und Yak boten sich freiwillig an, nach einem Hotel zu suchen. Ralle und ich setzten uns unterdessen an einen Tisch am Rand des Parks vor einem kleinen Imbissstand und bestellten frisch gepressten Orangensaft und einen grossen Obstsalat. Der Imbissstand wirkte zwar ein wenig schmuddelig, aber was uns die Dame dann brachte sah prima aus und schmeckte toll.

Claudine und Yak hatten ein Hostal für eine Nacht gefunden, das sie als 'ein wenig irre' beschrieben. Als wir dann dort ankamen, verstanden wir auch, was damit gemeint war. Das Hotel Los Emilios befindet sich in einem alten schmalen Haus in einer Nebenstrasse und ist eine witzige Mischung aus allen möglichen alten Möbeln, Bildern, Einrichtung und Krimskrams. Modern ist lediglich der Computer in einer Ecke des 'Empfangszimmers', wo ein dicker mürrischer Teenager alle Klischees erfüllte und zu jedem Zeitpunkt zu dem wir da und wach waren irgendeinen Space-Shooter mit immer demselben Hintergrund-Jingle spielte.

Unser Zimmer war das Vordere. Es war irre hoch und hatte einen Fernseher, der weit oben auf dem Schrank gegenüber des Bettes plaziert war. Man konnte zwar kaum zwischen Schrank und Bett durchgehen, aber im Bett liegend liess es sich prima TV gucken. Natürlich kam Fussball.

Beim Spaziergang vor dem Abendessen kam uns Pica insgesamt seltsam leer vor, nur am Stadtpark war viel los. 'Cool' aussehende junge Leute bauten Lautsprecher auf und ein paar offiziell wirkende Menschen platzierten sich an einem Tischchen. Bald ertönte laute Musik und nach und nach kamen wüst aufgemotzte Jeeps und Buggys an, deren Fahrer sich Startnummern an dem offiziellen Tischchen besorgten. Eine Rallye!

Immer mehr Fahrzeuge meldeten sich an und präsentierten sich in einer lange Reihe am Stadtpark, die bald in die angrenzende Strasse hinein reichte. Die Musik wurde lauter und mehr Leute versammelten sich im und um den Park. Es gab sogar einen (einzigen) Fressstand, wo 3 Sorten Echiladas angeboten wurden. Yak hatte schon oft und ausgiebig über Enchiladas geschwärmt, das war doch mal eine Gelegenheit. Aber leider waren diese Enchiladas eher mässig.

Schliesslich war der Hunger doch zu gross und abgesehen von lärmenden Runden durch Pica passiert bei der Rallye-Anmeldung nicht mehr viel, daher wollten wir uns ein Restaurant zum Abendessen suchen. Was sich dann als echtes Problem erwies, denn Pica war - abgesehen vom Stadtpark - quasi geschlossen. Am Ende landeten wir bei einem Schnellimbiss mit Bahnhofshallen-Atmosphäre, wo es zwar nur einfaches Essen gab (verschiedenstes Fleisch mit Pommes und Salat), das war dafür aber reichlich und gut.

Zurück im Hotel Los Emilios schliefen wir (Ralle und ich, weil unser Zimmer vorne war) zu den gleichförmigen Tönen des Space-Shooter-Spiels des dicken Teenagers ein.

Bilder:
Der erste Blick auf das Geothermiefeld von Puchildiza   Das Wasserloch mit dem 'grossen' Geysir   Blick auf den Pool in Puchuldiza   Unser Freund, der Schakal, beobachtet uns zunächst sehr vorsichtig ...   ... wird aber bals mutig und folgt uns überall hin.   Der 'kleine' Geysir zeigt eine ordentliche Fontäne.   Pause mit kleinem Ausflug.   Im Stadtpark von Pica   Hibiskusblüte in Pica   Die Kirche von Pica   Eine der Katzen im Hotel Los Emilios   Rallye-Vorbereitungen  

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