Durchs Hochland zum Salar de Surire

24.06.2010

Nach dem Frühstück brauchten wir eine ganze Weile, bis wir loskamen, weil es nicht ganz einfach war, den 'Benzinmann' aufzutreiben. Mit dem hatten wir am Vortag schon ausgemacht, dass unsere Autos vollgetankt werden sollten. Schliesslich klappte das doch und wir konnten zahlen und losfahren.

Zunächst ging es wieder hinauf zum Nationalpark, doch diesmal bogen wir kurz vor dem Eingang nach rechts auf eine Piste ab, die uns zunächst hinter den Nevadas de Chocolimpie vorbei quasi auf die Rückseite des Guallatiri brachte und dann parallel zu den Bergen zwischen Chile und Bolivien nach Süden führte.

Ralle fuhr und schimpfte über den 'Dreckskarren', der nicht mehr so recht ziehen wollte. Mir war in den letzten Tagen nichts aufgefallen. An einem der Fotostopps öffnete er die Motorhaube und fummelte ein grosses helles Stück Plastik aus einem Behälter im Innenraum. Dann schlug er das Ding gegen den Reifen und nachdem sich eine ordentlichee Staubwolke verzogen hatte, steckte er den gesäuberten und nun leuchtend roten Luftfilter zurück ins Auto. Kein Wunder, dass der X-Trail nicht mehr gelaufen war. Dieselbe Prozedur an Yaks und Claudines X-Trail brachte nur wenig Staub zutage. Da wir im Allgemeinen hinterher fuhren, schluckte unser Auto wohl beträchtlich mehr Staub.

Der Guallatiri bietet von hinten ein völlig anderes Bild als das das man überall sieht und das sich zunächst auch uns geboten hatte. Statt eines Gletschers sieht man leicht überzuckerte Felsen ... und eine ganze Flanke voller Fumarolen. Die ganze Rückseite des Berges raucht. das erklärt dann auch, warum der Anstieg ausschliesslich über die dem Parinacota zugewandte Seite erfolgt.

Wir erreichten der Ort Guallatiri. Der gepflegten Polizeistation und dem ordentlichen Ranger-Office mit Abwesenheitsmeldung ('The Ranger is in the field') zufolge, muss Guallatiri bewohnt sein. Dem Anschein nach aber ist es ein Geisterdorf. Nirgends sieht man Leute, die Häuser sind entweder verbarrikadiert oder verfallen.

Wir liefen ein wenig im Dorf herum und Ralle erklomm sogar den Kirchturm, der ein beträchtliches Alter haben muss. Der Eingang zum Kirchtum mit der gewundenen Treppe ist grad mal anderhalb Meter hoch und so schmal, dass ich ernsthaft Bedenken hatte, ob man da stecken bleiben kann. Offensichtlich nicht, denn Ralle kam oben bei den Glocken raus und winkte uns fröhlich zu.

Wir fuhren weiter durch abwechslungsreiche Landschaft nach Süden, vorbei an Dörfern, in denen sich mehr Lastwagenschrott als Häuser befanden, bunten Sandsteinformationen, haufenweise Vikunas, diversen Bovedales und sogar einem Fluss. Naja, vielleicht war es doch eher ein Bach, aber er führte immerhin einiges an klarem kalten Wasser. Schliesslich erreichten wir den Salar de Surire.

Vor uns erstreckte sich eine weite weisse Fläche, rechts einige Gebäude um die herum es ständig staubte und wo dauernd Lastwagen an und abfuhren, links eine Polzeistation und vor uns ein wenig offenes Wasser mit Flamingos, davor weit verteilt viele Vikunas. Gerade als wir anfingen, Brotzeit zu machen (die bewährten Yak-Sandwiches aus dem X-Trail-Kofferaum), spazierte ein Vikuna gemächlich durch das Wasser auf die Flamingos zu und schien sich daran zu erfreuen, wie die Flamingos irritiert einer nach dem anderen aus dem Weg staksten und abhoben. Wir guckten amüsiert zu.

Laut Karte sollte es einen Weg aussen um den Salar herum geben. Komplett in Chile, noch vor der bolivianischen Grenze. Ganz sicher waren wir nicht, aber die Strasse führte tatsächlich nach der Polizeistation weiter und konnten den Salar in grossartiger Landschaft umrunden. Irgendwo auf der anderen Seite sollte es sowas wie einen Zeltplatz an heissen Quellen (Thermas de Polloquere) geben, den wir zu finden hofften.

Zwar dampfte es an diversen Stellen im Salar, aber so richtig nach Zeltplatz sah es nirgends aus. Schliesslich aber sahen wir einen kleinen dampfenden See vor uns und dahinter ein paar Mäuerchen. Es hatte sogar einen Tisch und Bänke. Gefunden :-)

Die heissen Quellen seien zum Baden geeignet, hiess es im Führer. Das konnten wir uns natürlich nicht entgehen lassen. Das Seelein war überall grad mal knietief und das Wasser war so heiss, dass es geradezu schwierig war, hineinzukommen. Man musste sich in den weichen Schlamm setzen, um auch den Oberkörper eintauchen zu können. Wenn man mal drin war, musste man sich allerdings gelegentlich wieder hinstellen, um in der kalten Luft draussen (knapp über Null) wieder ein wenig abzukühlen. Die grossartigste Sauna der Welt!

Gründlich durchgeheizt und ziemlich nach Schwefel riechend machten wir uns dann an den Lager-Aufbau und ans Abendessen. In Putre hatten wir ein Huhn erstanden, das wir grillen wollten. Dazu zerlegte ich es in handliche Stücke (ein Hoch auf das grossartige Seilmesser, das auch Hühnerknochen problemlos bewältigt) und Yak grillte die Stücke im Windschutz des kleinen Mäuerchens. Dazu gab es Kartoffeln. Das war das mit Abstand beste Huhn das ich je gegessen habe :-)

Im Windschatten des Mäuerchens konnte man es (mit Tee natürlich) lange fast gemütlich aushalten und im hellen Mondschein den Bergen rundrum und den immer stärker dampfenden heissen Quellen zusehen, bevor wir uns schliesslich doch in die Schlafsäcke verzogen.

Bilder:
Das Auto soll wieder schnaufen können.   Der Guallatiri 'von hinten' mit vielen Fumarolen.   Der Kirchturm von Guallatiri vor dem Guallatiri.   Blick aus dem Kirchturm von Guallatiri.   Andengänse   Viel Wasser in Sandsteinlandschaft im Hochland   Sandsteinformationen   Am Salar de Surire (rechts wird Salz abgebaut).   Flamingos am Salar de Surire.   Touristen halt   Vikunas und Flamingos am Salar de Surire.   Niedlich: Wuschlige wollige Alpakas.   Endlich gefunden: Die heissen Quellen von Polloquere.   Ein wunderbarer Zeltplatz in grossartiger Umgebung   Der Mond spieglet sich im Quellsee   Das beste Grillhuhn des chilenischen Hochlandes!  

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