An der Laguna Chungara

16.06.2010

Die Nacht verlief wie erwartet ohne Probleme. Kein Kopfweh, keine Atembeschwerden, nichts. Allzu schlecht akklimatisiert konnten wir also nicht sein.

Wir liessen uns Zeit mit dem Aufstehen, um in der Sonne frühstücken zu können. Das fühlte sich zwar ganz nett an, aber kalt war es trotzdem. Beim Spülen fror der Schaum auf die Teller, bevor man sie abtrocknen konnte. Nach dem Frühstück packten wir alles bis auf das Zelt ins Auto und starteten auf den Berg hinter den Campingplatz.

Von unserem 'Tal' (also aus dem Bofedal in dem der Zeltplatz liegt) aus führte der Weg über einen sehr lange breiten Rücken - beinahe eine Flanke - gemütlich hinauf zu einem kleinen Vorgipfelchen, von dem aus ein breiter Grat zum Gipfelaufschwung des namenlosen Hubbels neben der Laguna Chungara führt. Der Hubbel hat aber immerhin etwa 5350m mit um die 900 Höhenmeter Aufstieg und 5 Kilometer Weg, das ist in der Höhe nicht zu verachten. Der Ranger Patricio hatte den Berg Cerro Condorini oder so ähnlich genannt. So heisst er nun bei uns.

Bis zum kleinen Vorgipfelchen war der Aufstieg einfach zu gehen und bot grossartige Aussicht. Je höher wir kamen umso beeindruckender wurde die Aussicht auf den Lago Chungara mit dem Parinacota und dem Pomerape dahinter. Im Wesentlichen stiegen wir in grobem Sand oder feinem Geröll empor, gelegentlich aber gab es groberes Geröll und Felsen. Dort wohnten jeweils Hasenmäuse, die uns recht nah kommen liessen, bevor sie dann doch zwischen den Felsen verschwanden.

Ab dem Vorgipfelchen, wo der lange Grat zum eigentlichen Gipfel begann, wurde es ungemütlich, denn es hatte starken (und kalten) Wind. Im Nachhinein betrachtet war das nur ein laues Lüftchen, aber zu dem Zeitpunkt kam uns das doch sehr windig vor. Man musste sich schon einigermassen gegen die Böen stemmen, um nicht umgeblasen zu werden. Wind macht das Gehen auch um einiges anstrengender.

Wir liessen uns aber nicht beeindrucken und bestiegen auch noch den Gipfel des Hubbels. Die letzten 150 Höhenmeter waren dann auch reichlich anstrengend, denn das war beinahe schon steile Blockkletterei. Oben gab es dann wirklich grandiose Aussicht in alle Richtungen, unglaublich! Allzu lang hielten wir es am Gipfel aber nicht aus, denn durch den Wind kühlten wir ziemlich schnell aus.

Für den Abstieg wichen wir am langen Grat in die windabgewandte Seite aus, aber so ganz toll war die Idee nicht. In der Flanke war zwar der Wind weg, aber das lockere grobe Geröll war blöd zu gehen. Immerhin landeten wir am Ende genau in der Rinne, die zum Campingplatz-Bofedal hinab führte. Von unten kamen uns zwei bunte Punkte entgegen: Claudine und Yak, die noch einen abendlichen Akklimatisationsspaziergang machten.

Als wir gemeinsam bei den Zelten ankamen, ging gerade die Sonne unter und wir durften wieder einen dieser grandiosen Sonnenuntergänge erleben, die das Hochland zu bieten hat :-)

Claudine und Yak hatten den Tag gemütlich in Putre zugebracht und hatten nun uns gegenüber ein deutliches Akklimatisations-Defizit. Bevor wir uns an die 6000er machen konnten, mussten die beiden nochmal hier oben auf 4500m übernachten und irgendwo hinauf steigen.

Wir überlegten, wie der morgige Tag am besten genutzt werden konnte. Claudine und Yak mussten akklimatisieren und hatten vor, den Ort Parinacota anzuschauen und dann auf einen Hubbel in der Nähe zu steigen, der nicht einmal so hoch wie 'unser' Cerro Condorini war. Ralle und mir sagte das nicht besonders zu, wir wollten bergsteigen. Auf der Karte des Nationalparks Lauca hatten wir einen Weg auf die Nevadas de Putre gesehen, die immerhin fast 5800m hoch sind. Na, das war doch ein ordentliches Ziel für den nächsten Tag!

Auf dem Rückweg konnten wir dann einen kurzen Abstecher nach Putre machen und unser Auto auftanken. Claudine und Yak hatten nämlich herausgefunden, wie man doch in Putre tanken kann: einer der Läden an der Hauptstrasse verkauft auch Benzin. Das war eine gute Nachricht, denn die Sache mit dem Sprit war uns schon ziemlich unangenehm im Magen gelegen. So ein Auto hat nur Nutzen, wenn es auch fahren kann.

Das Abendessen war ähnlich gemütlich wie am Vorabend. So lange man sich hinter die Mauern duckte, wo einen der stete Wind nicht erwischte, konnte man es gut aushalten und wir konnten auch nach dem Essen noch gnaz gut aushaltbar beisammen sitzen.

Bilder:
Morgens am Zeltplatz an der Laguna Chungara; der kleine Hügel links der Mitte ist der Cerro Condorini   Rückblick zur Laguna Chungara mit Parinacota und Sajama   Blick Richtung Bolivien mit Acotango und Guallatiri   Hasenmaus   Anstieg zum Cerro Condorini   Blick vom Gipfel über die Laguna Chungara. Der Zeltplatz liegt in dem kleinen Bofedal rechts der Mitte.   Ralle am Gipfel   Sonnenuntergang am Zeltplatz  

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