Versuch am Sairecabur

13.06.2010

Da der Aufsteh-Kompromiss eher spät ausgefallen war, konnten wir uns viel Zeit beim Frühstücken lassen. Ganz wie es das wunderbare Frühstück bei Lomo Sanchez auch verdient hat. Schliesslich tauchten auch Claudine und Yak auf und es konnte losgehen zu unserem ersten 'richtigen' Berg hier.

Die Anfahrt war weder lang noch kompliziert, sollte aber recht weit hinauf gehen. Laut Karte bis auf 5400m. Wir waren gespannt, wie hoch wir kommen würden, denn die dünne Luft würde irgendwann auch den Autos zu schaffen machen und dann war da ja noch die Sache mit dem Büssereis. Das konnte uns da oben durchaus auch blühen.

Wir sausten an Puritama vorbei die Strasse nach Tatio entlang, die wir schon am 4. Tag genommen hatten. Oben auf der Hochebene fanden wir die Abzweigung zur aufgelassenen Schwefelmine am Sairecabur problemlos und machten uns daran, uns auf einer engen recht steinigen Piste nach oben zu schrauben. Ganz schlecht war sie nicht, die Piste, sie stellte die Autos aber doch vor mehr Probleme als die meisten Pisten bisher.

Auf etwa 5100m trafen wir auf das erste Büssereis, doch das liess sich umfahren. Kurz drauf, auf etwa 5200m, dann das nächste Eisfeld. Es führten zwar auch hier Jeepspuren durch, doch die stammten von 'richtigen' Geländewagen. Also von solchen mit ordentlich Bodenfreiheit. Yak setzte zwar zum Durchfahren an, als dann aber gleich das Bodenblech des X-Trial aufsetzte, liessen wir es gut sein und gingen ab hier zu Fuss. Das waren dann doch 200 Höhenmeter mehr als angenommen, da würde die Zeit bis zum Gipfel knapp werden!

Obwohl wir ja nun nicht so gut akklimatisiert waren, wie wir gehofft hatten, fiel das Laufen auf der Strasse nicht allzu schwer. Ausser dem einen Büssereisfeld, das uns aufgehalten hatte, kam natürlich bis fast unter den Sattel kein weiteres Eis. Was wir aber vorfanden, je höher wir kamen, war Wind. Vielleicht noch kein Sturm, aber doch sehr sehr starker Wind.

Claudines neue Überhose hielt dem Wind und den Werbeversprechungen nicht statt, so dass Ralle seine Überhose abtrat. Ihm war nicht kalt und Claudine zitterte bereits. An sich sollte der Aufstieg zum Sairecabur vom Sattel aus erfolgen, doch wir konnten den Weg nicht wirklich finden. Ralle und ich beschlossen, einfach auf dem logischsten Weg - entlang eines ziemlich grobblockigen Lavastroms - unser Glück zu versuchen, Claudine und Yak war das zu stressig, daher trennten wir uns.

Nachdem wir unten das steile Aschefeld hinter uns gebracht hatten (anstrengend!) fanden wir einen recht guten Zugang auf den Lavastrom hinauf. Von 'Weg' konnte natürlich keine Rede sein, wir stiegen von Block zu Block und versuchten dabei in dem Gewirr den besten Weg zu finden. Genau genommen heisst das, der Ralle suchte den Weg und ich stieg hinterher.

Da wir ja unter Zeitdruck standen, drückte der Ralle einigermassen aufs Tempo, so dass ich immer weiter zurück fiel. Immer wenn er wartete und ich näher kam, stapfte er wieder los, sobald ich fast bei ihm war. Ich versuchte mein Tempo gleichmässig zu halten, was in den Lavablöcken gar nicht so einfach war.

Und dann drehte sich plötzlich ein grosser Block unter meinen Füssen und ich wäre beinahe in die Lücke darunter gefallen. Ich wurde langsamer und vorsichtiger, der Ralle ungeduldiger. Nachdem sich noch ein paar Blöcke unter meinen Füssen bewegt hatten - nicht viel, aber ich erschrak ziemlich - hielten wir Kriegsrat. Angesichts der fortgeschrittenen Zeit war es unwahrscheinlich, dass wir den Gipfel erreichen konnten. Jedenfalls nicht, wenn wir nicht in der Dunkelheit über den Lavastrom absteigen wollten und das wollten wir auf keinen Fall. Wir waren einfach zu spät dran :-(

Mir war inzwischen auf diesem instabilen Zeug entschieden unwohl (blöd so im Nachhinein, aber wenn man da ist, ist alles immer anders). Da der Gipfel ja inzwischen eh nicht mehr im erreichen konnten, fiel es dem Ralle dann auch nicht allzu schwer umzudrehen. Beim Abstieg nahm er sich dann auch die Zeit, auf mich zu warten und ich muss zugeben - er hat das mit der Wegfindung über Blockgelände deutlich besser raus als ich.

Im Sand unter dem Lavastrom machten wir kurz Pause, dann stiegen wir über die Piste zum Auto ab. Im Aufstieg war der Wind von hinten gekommen. Inzwischen hatte er um einiges aufgefrischt und wir mussten uns im Abstieg richtig gegen den Wind stemmen um voran zu kommen. Es war fast genauso anstengend gegen den Wind bergab zu gehen wie vorher hinauf zu steigen.

Claudine und Yak waren natürlich schon weg. Wir fuhren die enge kurvige Piste vorsichtig wieder hinab und waren ein bisschen erleichert, als wir wieder auf der 'Hauptpiste' von San Pedro nach Tatio waren. Obwohl wir bis kurz vor San Pedro de Atacama auch hier kein Auto sahen. Das ist schon ein bisserl unheimlich, diese Leere. Daheim sucht man immer Gegend ohne Leute, wenn man aber dann irgendwo ist, wo es wirklich keine Leute hat, dann ist das gar nicht soooo toll.

Bis wir zurück in San Pedro de Atacama waren, war es schon eine Weile dunkel. Allzu viel weiter hätten wir am Sairecabur gar nicht steigen können. Claudine und Yak trafen wir dann zum Abendessen wieder. Der Plan für den nächsten Tag: Früh aufstehen, Vorräte ergänzen in der Mall in Calama und dann nordwärts über Humberstone nach Iquique fahren. Uff!

Bilder:
Vor diesem kleinen Eisfeld mussten die beiden X-Trials auf 5200m aufgeben.   Aufstieg auf der Minenstrasse. Da kam lang kein Eis mehr.   Vorbei an den Resten der Schwefelmine   Im Aufstieg am Sairecabur. Der Gipfel rechts oben über dem hellen Teil.   Mühsamer Aufstieg durch grosse Blöcke.   Blick nach Bolivien, quer durch die Dali-Wüste zur Laguna Challviri (Tag 7)   Abstieg. Die Wegsuche ist nicht einfacher geworden.   Pause unterhalb des Lavastroms.   Abstieg im eisigen Wind, man muss sich gut einpacken.   Abendstimmung. Links der Sairecabur, in der Mitte der Licancabur.  

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