Tarnga Peak

12.10.2007, Übernachtung in Mingbo, 4066 Meter

In der Früh erlebten wir ein kleines Wunder: Blauer Himmel, weisse Berge im Talschluss (der Tengi Ragi Tau und der Langmoche Ri vermutlich) und weder Wolken noch Nebel. Die Sonne lugte zum Frühstück sogar ins Zelt hinein, wunderbar.

Nach dem Frühstück sammelten wir uns zur Besteigung des Tarnga Peak. Tami und Pemba, unsere beiden 'Climbing Sherpa' (die einzigen, die für die Besteigung von Gipfeln ausgebildet und versichert sind), kamen mit uns, Lalu und Nawang und die Träger hatten frei. Vermutlich zumindest.

Vor dem Aufbruch zu unsrem ersten 5000er
Vor dem Aufbruch zu unsrem ersten 5000er

So in etwa ab dem Zeitpunkt ab dem wir den kleinen Sattel hinter Mingbo erreicht hatten, über den der Weiterweg ins Tal des Bothe Khosi und zum Khumbu La nach Tibet führte, galt für den besten Allgäuer und mich: jeder Schritt ein neuer Höhenrekord! Unser bislang höchster Punkt lag ja ‚nur' bei 4189m (Rimpfischhorn).

Der lange Aufstieg zum Tarnga Peak (der braune Hügel auf der linken Seite)
Der lange Aufstieg zum Tarnga Peak (der braune Hügel auf der linken Seite)

Der Aufstieg zum Tarnga Peak war lang und teils recht steil, aber nicht schwer, auch wenn es zwischendrin doch ziemlich beschwerlich war, weglos über das steile Gras zu steigen. Nach den ersten beiden Pausen am Anfang, wo wir uns noch alle gemeinsam sammelten, zog sich die Gruppe ziemlich auseinander. Ich war relativ weit hinten, Ralle blieb bei mir, auch wenn er natürlich viel schneller hätte gehen können. Ich nicht.

Schon bei den beiden Pausen hatten wir feststellen müssen, dass der Nebel und die Wolken aus dem Thame-Tal schneller stiegen als wir. Es dauert denn auch nicht lang, bis uns die Wolken einholten und es aus war mit der schönen Sicht auf die umgebenden Berge. Die zweite Hälfte des Aufstiegs absolvierten wir wieder im Nebel.

Aus dem Thame-Tal zieht schon wieder der Nebel nach oben
Aus dem Thame-Tal zieht schon wieder der Nebel nach oben

Im oberen Drittel des Aufstiegs ging das steile Gras langsam in weniger steilen groben Schotter und schliesslich grossblockiges Gelände über, wo es um einiges angenehmer zu gehen war als im Gras. Natürlich hatte der Tarnga Peak einen 'Scheingipfel'. Der sah lange aus wie der Gipfel, aber als wir ihn erreichten, war der eigentliche Gipfel natürlich noch ein Stück weiter oben und hinten. Da ich damit gerechnet hatte, war ich nur minimal enttäuscht ;-)

Aufstieg im Nebel zum Tarnga Peak
Aufstieg im Nebel zum Tarnga Peak

Alles in Allem fiel mir der Aufstieg weniger schwer als ich erwartet hatte, aber am Gipfel war ich dann doch froh, endlich oben zu sein. Boah, der erste 5000er!

Nebel am Gipfel des Targa Peak ...
Nebel am Gipfel des Targa Peak ...

Am Gipfel sassen wir abwechselnd im Nebel oder hatten kurzzeitig tolle Ausblicke auf die weissen Berge rundrum. Es war auch nicht allzu kalt, so dass wir eine ganze Weile gemütlich da oben sitzen konnten. Es war ja nicht nur für uns der erste 5000er, auch Dani, Gerli, Mike, André und Mario standen hier auf dem höchsten Punkt, auf dem sie je gewesen waren.

... kurz drauf ein grossartiger Blick zum Tengi Ragi Tau
... kurz drauf ein grossartiger Blick zum Tengi Ragi Tau

Edu, Ralle und all die Anderen bis auf Christine, Dani und mich waren mit diesem einen Gipfel klar unterfordert und machten sich noch auf den Weg zum zweiten Gipfel des Tarnga Peak, der etwa 10 Minuten entfernt und ein paar Meter höher lag.

Die unermüdlichen Gipfelstürmer am zweiten Gipfel des Tarnga Peak
Die unermüdlichen Gipfelstürmer am zweiten Gipfel des Tarnga Peak

Ich nützte die Pause, um mein Gummiknie anzulegen, lagen doch knappe 9000 unwegsame Höhenmeter Abstieg vor uns. Obwohl wir bisher hauptsächlich aufgestiegen waren, nahm mir das Knie das Trekken irgendwie übel und war leicht geschwollen. Vielleicht hing das aber auch mit der Höhe zusammen, denn auch meine Hände und Füsse schienen in der Früh angeschwollen zu sein. Wie auch immer, Vorsorgen ist besser als Nachsehen, deswegen das Gummiknie zum Absteigen.

Abstieg im Nebel (was sonst)
Abstieg im Nebel (was sonst)

Pünktlich zum Abstieg stieg der Nebel noch ein wenig höher, so dass sich jede Aussicht auf Aussicht bald erledigt hatte. Im Nebel und später unter den Wolken stiegen wir ab zum Lager, wo uns ein spätes Mittagessen mit anschliessender Tea Time erwartete. Danach zogen wir uns ins Zelt und den Schlafsack zurück, dessen Wärmfähigkeit so langsam doch nötig war. Sobald die Sonne weg war, wurde es reichlich frisch und so lange man sich nicht bewegte, war eigentlich nur der Schlafsack angenehm. Und Bericht-Schreiben geht sowieso am besten im Liegen.

Berichtschreiben im Zelt
Berichtschreiben im Zelt

Die Sache mit dem Wäsche Waschen hatte im Übrigen nur bedingt geklappt. Im Lager war der Nebel sehr früh eingefallen, so dass unsere Wäsche kaum hatte trocknen können. Während die Untershirts und Unterhosen aufgrund des dünnen Stoffes immerhin weitgehend getrocknet waren, waren die Socken lediglich steif gefroren. Die würden wir dann halt morgen an den Rucksack hängen.

An diesem Abend hatte sich Samrang, unser Superkoch, zu Pizza hinreissen lassen. Pizza aus Mürbteig, eine recht schwere aber überaus wohlschmeckende Sache. Wir waren begeistert und beschlossen, ihm nach dem Abendessen zu loben und ihm so eine Art Ständchen im Sinne von Fan-Gesang darzubieten.

Pizza!
Pizza!
Bild von Dani

Gaaaanz schlechte Idee. Samrang war das Ganze derart peinlich, dass er mir sofort ganz furchbar leid tat. Er wäre am liebsten umgehend im Erdboden versunken. Eines war klar, das war das erste und einzige Mal, dass wir so was gemacht hatten. Wenn wir das wiederholen, wird das Essen schlechter ...

vorher zurück       »Start«       weiter nachher

www.obadoba.de ~~~ © 1997 - 2013 Andrea Kullak
Weblog
Urlaub
Berge & So
Du
Ich
Drumherum