Von TokTok nach Namche Bazar

08.10.2007, Übernachtung in Namche Bazar, 3520 Meter

Im Zelt war es feucht, als wir mit dem 'Good-Morning-Tea' geweckt wurden. Nicht wegen des Regens von draussen - das Zelt war weitgehend dicht, es gab nur 2 feuchte Stellen am Zeltboden - sondern weil die feuchte Luft und unser Atem alles im Zelt mit einer klammen Schicht überzogen hatten.

Wir beglückwünschten uns zur Wahl von Kunstfaser-Schlafsäcken, die zwar grösser und schwerer sind, dafür aber auch dann wärmen, wenn sie feucht sind. Die Schlafsäcke in Kombination mit den Daunen-Luftmatten waren hier unten, wo die Temperaturen auch nachts nicht unter Null fielen (nicht im Zelt zumindest) viel zu warm obwohl wir sie lediglich als Decken verwendeten. Aber es würde ja bestimmt noch kälter werden.

Durch kleine Dörfer geht es nach Namche Bazar.
Durch kleine Dörfer geht es nach Namche Bazar.

Nach dem Frühstück, das wieder in der Schule statt fand, ging es weiter hinein ins Khumbu. Nach dem nächtlichen Regen war es anfangs überall feucht, dicht über uns waberten Wolken und Nebel, so dass wir weitere Schauer befürchteten, doch der Nebel hob sich bald und wir konnten (zumindest teilweise) in schönem Sonnenschein weiter wandern.

Rauchentwicklung bei einem alten Haus ohne Kamin
Rauchentwicklung bei einem alten Haus ohne Kamin

Wieder ging es durch ein kleines Dorf nach dem anderen. Wenn man an einem der älteren Häuser ohne Schornstein vorbei kam, in dem gerade geheizt wurde, nahm einem der Rauch auch beim Vorbeigehen fast den Atem. Wie die Träger (die in solchen Lodges übernachten und einkehren) das aushalten können, verstehe ich bis heute nicht. Wohl aber, warum sämtliche Träger beim Vorbeigehen rochen wie gut angehangener Räucherschinken.

Am Eingang des Sagarmatha Nationalparks
Am Eingang des Sagarmatha Nationalparks

Kurz nach Monjo kamen wir zum Eingang des Sagarmatha Nationalparks. Der Eingang ist tatsächlich ein Eingang. Knapp über dem Dudh Khosi, auf einem Vorsprung mit Felstürmen rechts und links gelegen, steht ein gemauertes hübsch bemaltes Tor, das den eigentlichen Eingang darstellt. Kurz davor befindet sich das Verwaltungsgebäude, ein aus behauenen Steinen erbautes und netten Holz-Verzierungen geschmücktes 2-stöckiges Haus, an dessen Anbau noch fleissig gebaut und Steine geklopft wurden.

Steineklopfer beim Nationalparkeingang
Steineklopfer beim Nationalparkeingang

Hier werden die Permits kontrolliert. Zudem muss man ein Formular mit Fragen ausfüllen. Für unsere Gruppe mussten das aber nur 2 Leute machen, neben Edu traf es Christine.

Nachdem die Formalitäten erledigt waren, stiegen wir zum Fluss hinab, querten einmal hinüber und kurz drauf wieder herüber und fanden kurz darauf unser Küchenteam an einer ausnehmend schönen sonnigen Stelle an einem Seitenarm in voller Vorbereitung für das Mittagessen.

Das Küchenteam beim Kochen
Das Küchenteam beim Kochen

Wir warfen Rucksäcke und Stiefel von uns und badeten die heiss gelaufenen Füsse (mehr wegen der Wärme als wegen der Anstrengung) im Bach. Das erste und einzige Mal. Auf das Mittagessen mussten wir noch ein Weilchen warten, doch der Tee war schon fertig. Die Sherpa liefen mit einer der riesigen Metallkannen von einem zum Anderen und boten Tee und Zucker an. Wir genossen die Sonne und den Tee, liessen es uns gut gehen und beguckten den dichten Verkehr auf dem Khumbu Highway.

Tami und Lalu reichen Tee
Tami und Lalu reichen Tee

Neben voll beladenen Trägern kamen viele Tragetiere vorbei. Keine Yaks, für die waren wir noch nicht hoch genug, sondern eine andere Rinderart. Die Tragtiere waren deutlich weniger beladen als die Träger. Zudem lief kaum ein Träger 'leer', nicht am Raufweg und nicht am Runterweg (wenn auch die meisten runterwärts deutlich weniger beladen aussahen), von den Rindern dagegen waren die meisten auf dem Runterweg unbeladen. Zwischen den Trägern und Rindern kamen auch etliche Wandergruppen vorbei, in beiden Richtungen.

Ein Träger macht Pause
Ein Träger macht Pause

Neben uns bereitete sich auch eine Gruppe Träger ihr Mittagessen, ganz ökonomisch mit einem Reisdampfkocher - ein betagtes Modell offensichtlich, das einen Stein zum ordentlich Funktionieren benötigte.

Reiskocher
Reiskocher

Nach der langen Pause, dem Mittagessen und dem gemütlichen Rumhängen in der Sonne fiel uns das Weitergehen einigermassen schwer. Dabei ging es jetzt erst so richtig zur Sache. Nicht weit nach dem Pausenplatz ging es steil hinauf zur Hillary Bridge, die den tiefen Einschnitt des Imja Kola überspannt.

Die Hillary-Bridge
Die Hillary-Bridge

Nachdem wir auf der drüberen Seite wieder hinab zum Fluss gestiegen waren, ging es so richtig los, der lange Anstieg hinauf nach Namche Bazar lag vor uns. Der Weg dort hinauf ist breit und gut ausgebaut und führt in vielen Kehren nach oben und weiter ins Tal hinein. Das Wichtigste am Aufstieg nach Namche ist: Nicht zu schnell gehen (Mingma und die Sherpa: 'Bistari, bistari!'). Auf keinen Fall ins Keuchen kommen, den Puls spüren oder sich gar überanstrengen. Das ist Gift für die Höhenanpassung.

Aufstieg nach Namche Bazar
Aufstieg nach Namche Bazar

Wir stiegen also gemächlich und gemütlich nach oben, wurden alle naselang von vollbeladenen Trägern und übereifrigen Touristen überholt. Letztere taten im Allgemeinen genau das, was man eben nicht tun soll: sie schnappten nach Luft. Die Tiere sind langsamer als die Menschen, von denen holten wir einige Gruppen ein, darunter eine, bei dem ein Rind so fertig war, dass es bereits blutigen Schaum schnaufte. Das kann auch für ein Rind nicht gut sein.

Schliesslich erreichten wir Namche Bazar, das Zentrum für alles was wichtig ist im Khumbu. Bisher war Lukla das grösste Dorf, durch das wir gekommen waren. Die anderen Dörfer hatten meistens aus grad mal 10 Häusern bestanden, Namche war im Vergleich geradezu überwältigend. Das Städtchen liegt in einem grossen Kessel und ist wie ein Amphitheater in Halbkreisen um die Stupa und den Tibetermarkt im Zentrum angeordnet.

Namche Bazar von oben
Namche Bazar von oben

Wir verliessen die 'Hauptstrasse' gleich am Anfang von Namche Bazar und stiegen eine steile Strasse hinauf Richtung Militärlager und Nationalpark-Museum. Weit oben über dem Zentrum von Namche (mit vermutlich wunderbarer Aussicht, wenn es denn eine gegeben hätte) hatten die Sherpa unsere Zelte auf der Yakweide einer Lodge aufgestellt.

Das Lager über Namche Bazar
Das Lager über Namche Bazar

Der Tee wurde uns in einem der Räume der Lodge serviert, dann hatten wir 'frei' und stiegen umgehend ab zum Zentrum von Namche. Ralle und ich waren fest entschlossen, unsere Ausrüstung um Warmes zu ergänzen. Wir hatten bei unserer Ein- und Auspackerei und vor allem bei der Wiegerei unsere Ausrüstung so weit reduziert, dass wir beide jetzt Bedenken hatten, wir könnten weiter oben frieren. Die anderen waren auf der Suche nach Internetcafes, um Mails nach Hause zu schreiben.

Gleich oben an der steilen Strasse ins Zentrum fanden wir einen kleinen Laden, wo der Ralle einen leuchtend roten Windbreaker (angeblich von The North Face, aber angesichts des Preises von nur 12 Euro scheint das eher zweifelhaft) und ich einen zweiten Faserpelz erstand. Nebenan im Internetcafe hackten Maxi, Mario und Dani eifrig in die Tasten.

In Namche Bazar
In Namche Bazar

Nach den erfolgreichen Einkäufen bummelten wir durch die Gassen von Namche, die eng und voll waren und wo es alles zu kaufen zu geben schien, was das Bergsteigerherz begehrt. Akustisch untermalt wurde das Getümmel durch endlose Variationen derselben Musik. Om mani padme hum, vertont.

Selbstverständlich gab es auch allen möglichen Kruscht und Kram zu kaufen, wobei es mir vor allem die kleinen Yaks aus Holz und Fell angetan hatten. Zu diesem Zeitpunkt wollte ich natürlich keins kaufen, das hätten wir ja nur herumschleppen müssen, aber was ich auf dem Rückweg kaufen würde war da schon klar :-)

Mini-Yaks
Mini-Yaks

Aber ein Foto von zwei solchen Yaks wollte ich haben. Die Dame an deren Stand grad ein weisses und ein dunkles Yak standen, wollte dann unbedingt noch etwas verkaufen und erzählte, wie schlecht die Geschäfte gerade seien. Ich liess mich breit schlagen, und kaufte ihr eine hübsche Hals-Kette aus 'echten Yakbones' mit bunten Perlen drumrum ab. Als glücksbringender Talisman für einen erfolgreichen Trek sei die Kette unverzichtbar, meinte die geschäftstüchtige Nepali.

Es fing an zu dämmern. Bis zum Abendessen war noch Zeit, für Kaffee und Kuchen in 'Hermann Helmers German Bakery' waren wir noch zu satt, also beschlossen Ralle und ich, noch einen Akklimatisations-Ausflug vom Lager aus den nächstbesten Weg hinauf zu machen.

Wir keuchten zurück zum Lager. Wenn man nicht bewusst langsam läuft, kommt man unweigerlich ausser Atem. Oben angekommen warfen wir die Einkäufe ins Zelt, nahmen Stirnlampen mit und stiegen an einem grossen Manistein vorbei den Berg hinauf. Diesmal wieder langsam, dennoch empfand ich das Steigen urplötzlich als unglaublich anstrengend. Als wir nach guten 100 Höhenmetern ein paar Gebetsfahnen an einem kleinen Felsvorsprung erreichten war ich heilfroh.

Wir sassen eine gute Viertelstunde da oben, während es dunkel und schliesslich finster wurde. Namche Bazar hat Elektrizität (klar, wie sonst sollten Internetcafes existieren), aber viel Licht sieht man nicht. Ein paar helle Fenster waren zu sehen, aber kaum so was wie Strassen- oder Wegbeleuchtung. Im Licht der Stirnlampen stiegen wir wieder hinab zum Lager, wo wir genau rechtzeitig zum Abendessen in der Lodge ankamen.

Mingma, Lalu, Pemba und Nawang in der Lodge
Mingma, Lalu, Pemba und Nawang in der Lodge
Bild von Mike

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