Zurück nach Kathmandu

01.11.2007, Übernachtung in Godavari, 1415 Meter

Das Frühstück gab es wie das Abendessen in dem schönen grossen Raum der Lodge, der aber in der Früh leider ungeheizt war. Wir hatten unsere Taschen bereits gepackt und in den Hof gestellt und von dort wurden sie nun von unseren Sherpa (also von Tami, Pemba, Lalu und Nawang, die Träger waren ja schon entlassen) zum Flughafen geschafft.

Während wir frühstückten, zahlte Mingma die letzten Träger aus, dann ging es los zum Flughafen. Unsere Herbergseltern verabschiedeten uns im Hof der Lodge ganz traditionell mit schönen weissen Gebetsschals, was mich sehr freute, denn ich hatte eh vor zumindest einen Gebetsschal zu kaufen. Ein in Lukla geschenkter Schal ist aber natürlich viel 'wertvoller' als ein selber gekaufter :-)

Mingma zahlt die letzten Träger aus
Mingma zahlt die letzten Träger aus
Bild von Ludwig

Am Flughafen begann dann das grosse Warten. Erst vor der Abfertigungshalle, wo Mingma, Edu und die Sherpa das Gepäck beaufsichtigten, während wir uns weiter oben von den grossen Fenstern zum Flugfeld drängten und die unzähligen Starts und Landungen diverser kleiner Flugzeuge beobachteten. Neben den grünen Twin Otters von Yeti Airlines gab es diverse andere Fluglinien, die teils dieselben, teils aber andere Flugzeuge mit einer sehr langen Nase hatten.

Lang passierte in der Abfertigungshalle nichts, dann ging es plötzlich ganz schnell. Unser gesamtes Gepäck wurde gewogen, mit Sicherheitsbändern versehen (ohne Scanner) und diversen Flughafen-Trägern aufgeladen. Die (natürlich kleinen) Männer mussten ja nicht weit gehen, daher wurden sie bis zum Geht-Nicht-Mehr beladen, mit jeweils 6 Taschen so weit hochgestapelt, dass die Träger gerade eben noch durch die Tür passten. Beeindruckend.

Wir wurden in den unteren Warteraum beordert und mussten einzeln durch an einem Sicherheitsbeamten (einer Beamtin für die Damen) vorbei. Die Polizistin interessierte sich ausschliesslich dafür, ob wir ein Feuerzeug hätten, weil sie eine rauchen wollte, sonst unterhielt sie sich mit einer Freundin, die ihr kleines Mädchen dabei hatte. Die Männer mussten immerhin ihre Rucksäcke aufmachen, allerdings wurden die nicht durchsucht sondern lediglich von oben betrachtet.

Nach einer guten Stunde im unteren Warteraum durften wir dann endlich hinaus zu unserem Flugzeug, das erst noch entladen werden musste (Bier und Säcke voll Reis), bevor die schmalen Sitze wieder aufgestellt wurden und wir einsteigen durften. Während wir uns auf die Sitze quetschten, wurde unser Gepäck vorn und hinten ins Flugzeug geladen.

Unser Flugzeug wird beladen
Unser Flugzeug wird beladen

Und dann ging er los, der Rückflug, erst mal die absurd kurze Piste vor dem steilen Abbruch hinunter. Was weniger schrecklich war, als es klingt, denn wir konnten eh nicht vorne hinaus schauen und als der Abbruch dann an den Seitenfenstern auftauchte, waren wir schon 20 Meter in der Luft.

Ein letzter Blick auf die Eisriesen des Himalaya
Ein letzter Blick auf die Eisriesen des Himalaya

Der Rückflug dauerte wie der Hinflug eine knappe halbe Stunde. Wir flogen die ganze Zeit parallel zu den hohen Bergen entlang, so dass wir einen wunderbaren Ausblick aus dem Seitenfenster hatten. Der Flug war insgesamt recht ruhig, lediglich am Anfang, als wir uns noch recht nah bei den Bergen und nah über den Hügeln befanden, wackelte das Flugzeug noch ein wenig. Schliesslich näherten wir uns Kathmandu und die Maschine setzte holpernd und knatternd auf. Dampfig warme Luft empfing uns, die erste Handlung auf dem Rollfeld war ein heftiger Schweissausbruch.

Anflug auf Kathmandu
Anflug auf Kathmandu
Bild von Dani

An der Gepäckausgabe blickte ich nicht so recht durch, wer von den geschäftigen Nepalis an der Ausgabe zum Flughafenpersonal und wer zu den Gepäck-Mafiosi gehörte. Zwei Nepali versuchten uns davon abzuhalten, unser Gepäck von der Ladefläche zu nehmen, auf der anderen Seite griffen sich bereits andere Nepali unsere Taschen und schauten sich suchend um, es war schwer zu erkennen, was da abging.

Mario scherte sich um nichts und lud sich seine Tasche oben quer auf den Rucksack und schaute dann lächelnd mit den Händen in den Hosentaschen (wie sonst) das Durcheinander an. Schliesslich schoben 4 Leute auf 3 Wagen unser Gepäck auf den Parkplatz, ganze 300 Meter weit.

Unser Bus oder wer auch immer uns abholen sollte, war noch nicht da, daher standen wir eine ganze Weile in der Sonne herum, wichen immer wieder ein- oder ausparkenden Fahrzeugen aus und fügten uns geduldig in die Warterei. 4 Wochen langsam ohne Zeitdruck durch die Gegend laufen fällt nicht innerhalb eine halben Stunde einfach so ab, noch kurz vor der Reise hätte mich diese Warterei masslos genervt. So aber ...

Schliesslich tauchten 2 grosse weisse (neue!) Transporter auf, auf denen unsere Taschen verstaut wurden und in die wir einstiegen. 'Zum Godavari Resort' wies Edu die Fahrer unseres Busses an und es ging los, der andere Bus folgte uns.

Ein Verkehrspolizist in Kathmandu
Ein Verkehrspolizist in Kathmandu

Der Verkehr und das Durcheinander von Kathmandu war genauso faszinierend und erstaunlich wie nach der Ankunft, ich war heilfroh, das Ganze sozusagen unbeteiligt einfach nur anschauen zu dürfen und nichts damit zu tun zu haben. Während sich die beiden Busse geschickt einen Weg durchs Gewühl bahnten, schauten wir einfach nur aus dem Fenster und staunten.

An den Mopeds, Fahrrädern, Rindern, Eseln, Leuten und Kindern, die zwischen den Autos, Bussen und LKWs umher liefen und doch völlig unbeschadet zwischen den Fahrzeugen hindurch zu schlupfen schienen. An den abenteuerlichen Fahrzeugen, die unter weg waren, an den uralten, liebevoll wunderschön hergerichteten Lastwagen überall und an den unzähligen Verkaufständen am Strassenrand, wo von Matratzen über Kleidung und Haushaltgeräten bis zu Lebensmitteln, Getränken und Obst alles angeboten wurde, was irgendwie verkäuflich ist.

Strassenhändler in Kathmandu
Strassenhändler in Kathmandu

Nach und nach wurde die Gegend ländlicher und die Strasse führt zwischen Feldern und durch einzelne Dörfer hindurch. Unser Fahrer und sein Begleiter unterhielten sich angeregt, während sie den Bus um alle möglichen Hindernisse auf der schmalen Strasse herum bugsierten. Plötzlich sprang Edu von hinten auf: 'Zurück! Da hinten war die Abfahrt zum Godavari Resort!'

Die beiden Nepali vorn waren verwirrt. Offensichtlich - so stellte sich heraus - hatten sie keine Ahnung, wo wir hin wollten. Sie waren einfach ins Dorf Godavari gefahren und erwarteten nun, dass wir wüssten wohin wir wollten. Gut dass Edu dabei war. Reichlich ungehalten machte er dem Fahrer klar, dass er nun umdrehen müssen und wies den Weg zum Hotel.

Das war ein einstmals nobler Bau, der inzwischen schon ein wenig in die Jahre gekommen schien. Wir stiegen vor dem Eingang aus und liessen uns erst mal auf die Terrasse (mit schöner Aussicht übers Tal von Kathmandu) führen. Dort wurden die Zimmer verteilt, die in den vielen kleinen Häuschen rund um den Hauptbau herum verteilt waren. Das Gepäck und unsere Extra-Taschen würden uns auf die Zimmer gebracht, hiess es.

Wir machten aus, uns in einer knappen Stunde am Eingang zu treffen, denn dann fuhr der Shuttlebus des Hotels nach Kathmandu los, um noch ein wenig durch die Altstadt laufen. Gucken, shoppen, Touri sein. Dann begaben wir uns auf unsere Zimmer.

Die Zimmer waren sehr schön und sehr gross. Wir warteten eine Weile zusammen mit Mike und Gerli, die das Zimmer neben uns hatten. Das Gepäck wurde gerade verteilt, das konnten wir sehen, auch wenn unsere Taschen es noch nicht bis zu uns geschafft hatten. Mich interessierte jedoch ganz besonders die Extra-Tasche. Denn nur in der gab es Shampoo und Spülung und frische Unterwäsche und Klamotten.

Ich machte mich auf den Weg, diese Tasche zu suchen, während der Ralle im Zimmer blieb, um auf das Trekking-Gepäck zu warten. Unten traf ich auf Gerhard, der mit Christine das Zimmer direkt unter uns hatte und wir gingen hinauf zum Hauptgebäude. Zunächst konnten wir niemanden finden, der wusste wo unsere Extra-Taschen waren. Daraufhin zelebrierte der Gerhard eine gepflegten Mini-Aufstand (sehr überzeugend) und plötzlich kam ein Sicherheitsmann, der uns einen kleinen Raum aufsperrte, in sich tatsächlich unsere Taschen befanden. Na also, geht doch! Allein hätte ich das nicht hinbekommen.

Nachdem ich zum Zimmer zurück gekommen war, war dort die Tür zu. Na, der Ralle war wohl schon beim Duschen. Ich klingelte. Keine Reaktion. Ich hämmerte mit den Fäusten gegen die Tür. Keine Reaktion. Mike rief vom Nebenzimmer auf dem Telefon an. Keine Reaktion. Ich kickte die Tür mit den Füssen. Keine Reaktion. Ich kickte und hämmerte und klingelte ausdauern und eigentlich schon resigniert, da ging endlich die Tür auf. Ein patschnasser Ralle mit Handtuch um die Hüften stand in der Tür. Endlich!

Der Ralle hatte in der Zwischenzeit tatsächlich mit dem Duschen angefangen. Dabei war ihm als erstes der Duschkopf aus der Wand entgegen gefallen (wie gesagt, das Hotel ist zwar sehr schön, aber es hat seine Blüte wohl schon hinter sich) und liess sich nicht mehr reparieren. Glücklicherweise gab es auch eine Handbrause, mit der man sich Duschen konnte. Der Ralle war gerade fertig.

Ich liess alles von mir fallen, kramte mein Shampoo aus dem Extra-Gepäck (Billig-Shampoos aus Hotels traue ich nicht) und ging Duschen. Die Wassermenge liess zu wünschen übrig und die Temperaturregelung war einigermassen schwierig (entweder extrem heiss oder fast kühl), aber es war eine Dusche. Die erste nach fast 4 Wochen, was für ein Luxus! Da spielen doch so Kleinigkeiten wie ein auseinanderfallendes Bad oder die Wasserregelung kaum eine Rolle.

Die erste Ladung Shampoo, nicht wenig, verschwand ohne zu schäumen in meinen Haaren. Die Brühe, die beim Ausspülen da von meinem Kopf rann, spottete jeder Beschreibung. Erstaunlich war nur, dass sich meine Haare inzwischen gar nicht mehr schlimm anfühlten. Die zweite Ladung Shampoo fing wenigstens ansatzweise an zu schäumen, aber auch da lief von eine ziemlich widerliche Brühe raus. Beim dritten Mal schliesslich fühlte sich das Haarewaschen an wie Haarewaschen. Das Shampoo schäumte und beim Ausspülen lief Schaum von meinem Kopf. Na also!

Nachdem ich den Rest von mir gründlich abgeseift hatte und schliesslich wieder trocken war, fühlte ich mich tatsächlich wie neugeboren. Wir zogen unsere Reiseklamotten an und gingen hinauf zum Eingang, wo wir diverse uns völlig fremde Menschen trafen. Solche ohne Mützen, mit sauberen frischen Klamotten und ganz ungewöhnlich frischen Haaren. Es waren sogar ein paar rasierte Männer dabei, unfassbar.

Mit dem Shuttlebus fuhren wir in die Innenstadt, durch eine der alten Königstädte, aus denen Kathmandu besteht, hindurch (Patan?) bis fast nach Thamel. Dort hielt der Bus an einem kleinen Parkplatz am Rand einer grossen freien Fläche. Edu wollte uns zunächst zum Restaurant führen, in dem das Farewell-Dinner stattfinden sollte, dann hatten wir 'frei'. Der Weg führte erst an der Ringroad entlang, nach etwa 10 Minuten bogen wir nach links Richtung Thamel ab und nach rechts in eine kleine Seitenstrasse, wo gross 'Beergarden' über einem Eingang zu einem Garten stand. Damit waren wir entlassen.

Ralle und ich hatten ein Cafe mit Kuchen am Eingang der Strasse gesehen. Kaffee. Richtig echter Kaffee! Nix wie hin. Mike und Gerli, Mario und Maxi hatten dieselbe Idee und so besetzten wir einen grossen Tisch. Das Cafe war ein ganz Besonderes, denn alle Bedienungen waren taubstumm, wie wir auf grossen Schildern lesen konnten.

Das machte das Bestellen wunderbar einfach, denn internationaler als Verständigung via Zeichensprache geht ja wohl kaum. Ich nahm einen grosse Latte Macchiato und eine Art Schwarzwälder Kirschtorte. Der Latte war super, der Kuchen auch, allerdings war der recht schwer, was mein Kuchen-entwöhnter Magen nicht so gern mochte.

Danach trennten wir uns. Ralle und ich kauften erst mal den Neffen gestrickte Nepalmützen und diverse Weihnachtsgeschenke, dann suchten wir einen Laden auf, in dem es unzählige Varianten gestickter T-Shirts gab und schliesslich hauten wir unsere allerletzten Rupies für eine schöne Glocke mit einem hell klingenden Ton auf den Kopf. Für ein knappes Drittel des ausgezeichneten Preises, weil der Verkäufer schliesslich abwinkte, als wir nach dem gemeinsamen Kassensturz glaubhaft versichern konnten, dass das nun wirklich unser letztes Geld gewesen war.

In der Altstadt von Kathmandu (Thamel)
In der Altstadt von Kathmandu (Thamel)

Wir waren zu früh zurück beim Beergarden, trafen dort aber auf Ludwig und Edeltraud, die ebenso wie wir nicht so die grossen Shopper sind. Wir setzten uns an unseren Tisch, tranken Bier und unterhielten uns, bis die anderen der Reihe nach eintrafen.

Um uns herum sassen andere Gruppen vom SummitClub, die ebenfalls ihr Farewell-Dinner hatten. Alle waren fröhlich und hatten offensichtlich einen tollen Urlaub gehabt. Keiner war so toll wie unserer, das dürfte ja wohl klar sein :-)

Bevor das Essen serviert wurde, hielt Dr. Dingsda noch mal eine Ansprache, zu deren Schluss er allen ein rotes Tuch, sah beinahe aus wie ein roter Gebetsschal, überreichte, als Abschiedsgeschenk sozusagen. Dann gab es das Essen, 'Tibetian Hotpot', mit vielen vielen Beilagen, die allesamt genial gut schmeckten. Wir konnten gar nicht so viel Essen, wie es Zeug gab, das endlos nachgefüllt wurde.

Der 'Tibetian Hotpot'
Der 'Tibetian Hotpot'
Bild von Dani

Schliesslich hielt Mingma noch eine Ansprache und dann Edu und ganz am Ende stand Mario auf und sprach Edu im Namen von uns allen unseren herzlichen Dank für die super Organisation und die Klasse Führung aus. Ansprachen über Ansprachen. Als es dann zurück zum Hotel ging, waren wir pappsatt, ein bisschen betrunken und vor allem unglaublich zufrieden.

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