Von Monjo nach Lukla

31.10.2007, Übernachtung in Lukla, 2743 Meter

Unser letztes Trekking-Frühstück gab es wieder in dem kleinen Raum der Lodge, allerdings war der in der Früh ungeheizt und bei weitem nicht mehr so angenehm warm. Mir hatte irgendwas vom gestrigen Essen nicht recht gut getan (vermutlich das Yak-Gulasch), so dass mein Frühstück eher spärlich ausfiel.

Als wir von der Lodge losliefen, kam gerade ein Fleischhändler durch Monjo und wir konnten sehen, wie das mit dem Fleisch hier war. Da die Sherpa Buddhisten sind, dürfen sie ja keine Tiere töten, geschlachtet muss also woanders werden. Das Fleisch wird dann auf die übliche Weise ins Hinterland transportiert, auf den Rücken von Trägern. Ungekühlt. Nicht mal abgedeckt. Wahrscheinlich war es gut, dass wir uns auf dem Trek weitgehend fleischlos ernährt haben.

Fleischtransport im Khumbu
Fleischtransport im Khumbu

Der Rückweg nach Lukla führte in leichtem Auf und Ab (mehr Auf als Ab) am Dudh Khosi entlang. Wir liessen uns viel Zeit, Lukla war ja nicht allzu weit weg, und genossen nochmal die Gegend und all die bekannten Landmarken, die wir auf dem Hinweg vor 4 Wochen schon bemerkt hatten.

Dorfleben
Dorfleben

Der coolste kleine Nepali des gesamten Treks
Der coolste kleine Nepali des gesamten Treks

Zum Mittagessen quartierten uns die Sherpa in eine Lodge ein, wo die Tochter des Hauses ein ganz neues Baby hatte. Alle Sherpa bewunderten das Kind ausgiebig und auch uns wurde es gezeigt. 5 Wochen sei er alt, erzählte die junge Mutter stolz, und niedlich war er. Danach liefen wir noch etwa anderthalb Stunden in einem Stau hinter einer Herde Yaks her, dann betraten wir durch den Bogen am Ortseingang wieder Lukla. Wir waren zurück.

Zurück in Lukla
Zurück in Lukla

Alle hatten wir gedacht, dass wir die letzte Nacht in der grossen schönen Lodge direkt am Flughafen verbringen würden, in der wir am Anfang den Tee serviert bekommen hatten. So waren wir ziemlich erstaunt, als Mingma uns etwa in der Ortsmitte von der Hauptstrasse in eine Seitengasse zu einer kleinen Lodge dirigierte, die zwar nicht grad verfallen aussah, aber bei weitem nicht so nobel war wie die andere Lodge.

Naja, nach 4 Wochen im Zelt ist man nicht allzu anspruchsvoll. Die wunderbare Vorstellung einer warmen Dusche aber liessen wir alle ziemlich schnell fallen. Es gab zwar Duschen und irgendwie gab es auch annähernd warmes Wasser, aber was da aus den Duschköpfen tröpfelte, lohnte die Mühe kaum. Auf den einen Tag kam es nun auch nicht mehr an.

Während wir auf die restlichen Träger und unser Gepäck warteten, wurde im grossen Raum des Lodge eingeheizt. Mit Coke oder Bier vor einem warmen Ofen zu sitzen hat schon was sehr Luxuriöses :-)

Am warmen Ofen in der Lodge
Am warmen Ofen in der Lodge

Nach und nach trudelten die Gepäckstücke ein und wir suchten die Sachen für die Tombola zusammen. Am Ende so eines Treks wird nämlich traditionell eine Tombola für das gesamte Team veranstaltet, hatte uns Edu erklärt. Dazu kann (kann, nicht muss) jeder Trekker herschenken, was ihm nicht mehr passt oder gefällt oder man herschenken will und aus all den Gaben werden dann so viele möglichst gleichwertige Häufchen gebildet wie Träger und Kitchenboys dabei waren und diese werden dann verlost, wenn die Leute das Trinkgeld vom Trekkingführer bekommen.

Edu hatte uns das schon am Anfang der Tour erzählt, so dass wir alle den Trek über Gelegenheit gehabt hatten, zu überlegen was wir herschenken wollten. Ich hatte die Träger beobachtet und festgestellt, dass die meisten keine ordentlichen Socken hatten. Ich trennte mich daher von 2 Paar Trekking-Socken, einem Paar leichter Handschuhe, dem rosa T-Shirt, das ich schon immer doof fand (Rosa, bah!) und von meinen Wanderstiefeln. Die waren so gut wie neu und mit Grösse 39 genau richtig für die kleinen Nepali.

Ich will nicht verschweigen, dass ich das vor allem deswegen machte, weil die Stiefel von den Kunstfaser-Socken inzwischen so stinkig waren, dass ich sie auf keinen Fall mehr in meine Tasche stecken wollte. Nie mehr reine Kunstfaser-Socken! Nur noch Socken mit Wollanteil! Den Trägern war es garantiert egal, dass die Stiefel stanken, das liess ich durch ordentliches Lüften ja wieder beheben, aber gute Bergstiefel zu bekommen ist nicht leicht für die Träger. Der Ralle spendete seine Trekkinghose und einen warmen Pullover. Zu guter Letzt gaben wir noch unsere letzten unverbrauchten Müsliriegel zu dem Haufen.

Edu baut die Tombola auf
Edu baut die Tombola auf

Edu sammelte alles ein und baute dann 25 kleine Häufchen vor der Lodge auf. Unsere und andere Träger betracheten den Aufbau gespannt und schienen die Qualität der diversen Häufchen zu begutachten. Alle waren gespannt. Edu, Dani und Mario zogen sich dann in die Lodge zurück, um die Trinkgelder nach einem genau festgelegten Schema aufzuteilen, das sich aus der Zahl der Trekkingtage und der Hierachie der Begleitmannschaft ergab.

Die Träger betrachten interessiert die Geschenke
Die Träger betrachten interessiert die Geschenke

Das meiste Trinkgeld bekam der Sirdar, Mingma. Unsere beiden Climbing Sherpa, Tami und Pemba, bekamen schon weniger, die anderen beiden Sherpa, Lalu und Nawang noch etwas weniger. Der Koch, Samrang, stand in der Hierarchie irgendwo unter dem Sirdar, aber über den Sherpa. Die fünf Kitchenboys bekamen weniger als unsere normalen Sherpa und die Träger standen ganz unten in der Rangordnung. Das zu verteilen war nicht ganz einfach und dauerte eine Weile.

Schliesslich aber war es so weit. Edu gab zunächst den Trägern ihr Trinkgeld und liess sie eine Nummer aus einer Plastiktüte ziehen. Mingma half den Trägern (von denen die meisten nicht lesen konnten) dann, ihr Häufchen zu finden. Alle schienen sich ehrlich über die Gaben zu freuen, viele machten dann die Runde bei uns und bedankten sich bei allen. Der Träger, der meine Stiefel bekam, freute sich unbandig und hatte Tränen in den Augen. Noch nie habe ich etwas so gern hergeschenkt wie diese Stiefel!

Einer der Träger zieht ein Los
Einer der Träger zieht ein Los

Unsere Sherpa und der Koch nahmen nicht an der Tombola teil, denen hatten wir jeweils ein spezielles Häufchen Geschenke zusammengestellt.

Als die Tombola zuende war, begann Mingma das Team auszuzahlen (die Leute bekamen natürlich nicht nur Trinkgeld und Geschenke sondern auch richtigen Lohn). Das gestaltete sich als schwierig, denn zwischenzeitlich hatte ein Funktionär der Maoisten einige Träger aufgestachelt, dass sie zu wenig Lohn bekämen. Da muss ich jetzt ein wenig ausholen.

Als Mingma die Träger engagiert hatte, hatte er mit ihnen einen Tageslohn von 400 Rupies (etwa 5€) ausgemacht. Das mag nicht viel erscheinen. verglichen mit dem was Lasten- Und Holzträger verdienen, ist das aber nicht schlecht und es war laut Mingma der gängige Lohn für Trekking-Träger. Die Maoisten fordern aber 500 Rupies Lohn für alle und ein paar Träger wollten nun diese 500 Rupies pro Tag für die letzten 4 Wochen haben.

Das wiederum stürzte Mingma in Probleme, weil der nun nicht genug Geld dabei hatte und vor allem nicht mehr Lohn auszahlen konnte, als die Trekking-Agentur (Mingma arbeitet für Intrek) ihm zugestanden hatte. Verträge auf die er sich berufen hätte können, gab es natürlich auch nicht, alles war wie üblich über mündliche Abmachungen gelaufen. Mingma war den ganzen Abend über beschäftigt, zu telefonieren und zu verhandeln. Zwischenzeitlich sah es sogar so aus, als könne er am nächsten Tag nicht mit uns zurück nach Kathmandu fliegen, weil er erst diesen Schlamassel lösen musste.

Noch dazu musste er unseren Flug nach Kathmandu organisieren. Ursprünglich hätte der Flug um 6.00h gehen sollen, aber weil heute wegen Wolken kaum Flugzeuge hatten starten können, wimmelte es in Lukla nur so von Leuten, die auch morgen fliegen wollten. Da hiess es geschickt am Flughafen zu verhandeln, dass wir nicht zu spät dran kamen und dann möglicherweise ebenfalls in Lukla strandeten. Schliesslich konnte Mingma uns auf einen Flug um 9.00h buchen.

Mingma schaffte es schliesslich auch, das Problem mit der Auszahlung der Träger zu lösen. Die Agentur gestand den Trägern die 500 Rupies Entlohnung zu, damit konnte sich Mingma das fehlende Geld leihen (vom Besitzer der Lodge) und alle bezahlen.

Zum Abendessen baute die Lodge ein Büffet auf, das dem im Haatiban nicht im geringsten nachstand. Alle nahmen zwei oder drei Mal nach, bis wir zum Platzen voll waren. Nichts gegen unsere Trekking-Küche, die Jungs hatten uns über die 4 Wochen wirklich gut verpflegt, aber am Ende war es dann doch immer dasselbe und die Abwechslung hier war einfach unglaublich gut :-)

Beim Abendessen erzählte Mingma dann, dass einer der Trekker aus der grossen britischen Trekkinggruppe, die wir in Dingboche getroffen hatten, an Höhenkrankheit gestorben sei. Als man bei dem Mann die Höhenkrankheit festgestellt hatte, war sie schon so weit fortgeschritten, dass auch der Abtransport mit dem Hubschrauben nach Lukla und später nach Kathmandu nicht mehr geholfen habe. Dabei verschwindet die Höhenkrankheit normalerweise umgehend, sobald man den Patienten nach unten bringt.

Die Nacht in unserem Mini-Zimmerchen in der Lodge war mässig bequem (man gebe mir meine Matte!), aber immerhin hatte sich die Sache mit den Teestopps erübrigt, Bier ist bei weitem nicht so harnfördernd ;-)

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