Zum Island Peak Basecamp

26.10.2007, Übernachtung in Island-Peak-Basecamp, 5115 Meter

Da der Tag nicht lang sein würde (grad mal 4 gemütliche Stunden bis zum Basecamp), wurden wir echt spät geweckt, was dann dazu führte, dass wir ohne Zelt in der Sonne frühstücken konnten. Das Essenszelt war bereits auf dem Weg in Basecamp. So ein Frühstück in der Sonne ist eine feine Sache. Auch wenn es direkt neben dem Klohäusel der Lodge stattfindet ;-)

zeltloses Frühstück in Chhukung
zeltloses Frühstück in Chhukung

Danach spazierten wir langsam los, am Rand der Gletschermoräne in den Talschluss hinein. Der Ruhetag hatte mir offensichtlich gut getan, denn ich fühlte mich stark und gut wie schon lange nicht mehr. Meine Bedenken ob des 1200-Meter-Anstiegs auf den Island Peak schwanden.

Der blöde Husten war natürlich noch da, aber von dem fühlte ich mich lediglich belästigt, nicht belastet. Ich war bester Dinge. Edeltraud ging es gut genug, das sie nicht mehr brechen musste, aber sie war natürlich noch ziemlich fertig. Ob sie sich den Island Peak zutrauen würde, wusste sie noch nicht zu sagen.

Marsch zum Island Peak Basecamp vor der Lhotsewand
Marsch zum Island Peak Basecamp vor der Lhotsewand
Bild von Edu

Der Mario war offensichtlich wieder fit, der spazierte mit seiner üblichen Gelassenheit (und mit den Händen in den Hosentaschen) zum Basecamp hinaus. Wem es aber schlecht ging, war Christine, die sich hustend und schnupfend das Tal hinaus schleppte. Sie hatte schon beim Frühstück nicht gut ausgesehen und keinen Appetit gehabt. Achje, und das gerade jetzt.

Es geht weit ins Tal hinter
Es geht weit ins Tal hinter

Auf dem Weg zum Basecamp kamen uns viele Leute entgegen, die fast alle erzählten, dass sie oben gewesen seien und dass die Bedingungen gut seien. Mit uns liefen viele Touristen das Tal hinaus und haufenweise Träger waren in beide Richtungen unterwegs. So viele Menschen hatten wir seit Namche Bazar nicht mehr gesehen, da draussen musste eine kleine Stadt auf uns warten.

Wir nähern und dem Island Peak
Wir nähern und dem Island Peak

Eine Stadt war es nicht grad, die uns am Fuss des Island Peak empfing, aber es war durchaus ein grösseres Dorf an Zelten, die dort herum standen. Für die Menge Zelte waren allerdings nicht allzuviele Leute umanand, was Edu damit erklärte, dass es hier von den diversen Trekkingagenturen feststehende Zelte für die Lodge-Trekker gäbe. Auch der DAV hatte ein paar feste Zelte (spitzige lila Zelte, so wie die unserer Sherpa) und ein grosses orange-graues Messe-Zelt, in dem auch Achill zu finden sei, der Bergführer, der für den DAV das Fixseil instand halte.

Im Basecamp angekommen
Im Basecamp angekommen

Ein ganzes Stück hinter den ersten Zelten - in der Nähe des gemauerten Klohäusels von dem noch die Rede sein wird - sahen wir unsere Sherpa unsere hellblauen Kuppelzelte aufbauen. Ein paar Zelte standen schon, dafür dass alles auf der unebenen, hügeligen und von tennisball- bis mülltonnen-grossen Felden übersät war, standen diese Zelte sogar recht gerade und eben.

Nur - wo sollten die anderen Zelte hin? Die flachen Plätze waren ja alle schon weg. Die Sherpa zeigten uns wie: wenn es keinen flachen Platz gibt, dann macht man eben einen. Mit vereinten Kräften und viel Einsatz, wurden diverse grössere Felsen aus dem Boden gepickelt und das Gelände rund herum eingeebnet. Das Resultat war ein ebener Platz, auf den genau das Innenzelt passte. Gut gemacht!

Ausruhen ...
Ausruhen ...

Während wir auf's Mittagessen warteten, genossen wir die Gegend und die Wärme und die Ruhe und bereiteten uns mental schon mal auf den grossen Tag morgen vor. Mit Rumhängen und Sonne geniessen :-)

... in grossartiger Landschaft
... in grossartiger Landschaft

Unter Anderem machten wir hier auch die erste Bekanntschaft mit dem berüchtigten Klohäusel vom Isalnd Peak Basecamp. Wegen dieses Häusels hatten die Sherpa nämilch kein Klozelt aufgebaut. Das gemauerte Häuschen hatte 2 Türen. Hinter jeder Tür befand sich eine Metallplatte mit einem grossen tropfenförmigen Loch, unter dem es etwa eineinhalb Meter nach unten ging. Dass Zielen nicht aller Leute Sache ist, muss ich den Zustand des Lochs und vor allem des Drumrums nicht ausführlich beschreiben.

Dass einige Leute es interessant gefunden hatten, das benutzte Klopapier nicht ins Loch zu werfen, sondern in einer Ecke der kleinen Kabine zu sammeln tat dem Ambiente auch nicht direkt gut. Für die Zustände hielt sich der Geruch in ziemlich erträglichen Grenzen, was sicherlich der Kälte und der Trockenheit zuzuschreiben war.

Der beste Allgäuer von Allen kam leicht weiss um die Nase von seinem ersten Klobesuch zurück und meinte, das sei so unbechreiblich, das müsse ich mir selber anschauen. Nunja, schön war es nicht, aber ich bin in der Hinsicht von unzähligen Campingurlauben abgehärtet. Unser Klozelt war jedenfalls schöner.

Für den Nachmittag hatte Edu zunächst eine Matererial-Inspektionsrunde angesetzt, dann sollten wir an der Moräne neben uns den Umgang mit den Steigklemmen am Fixseil üben. Sehr gut, denn das hatten weder der beste Allgäuer noch ich je gelernt.

Pemba erklärte die Bedienung der Steigklemme
Pemba erklärte die Bedienung der Steigklemme

Die Material-Inspektion beschränkte sich im Wesentlichen darauf, den Sitz der Steigeisen am Stiefel zu überprüfen, Edu wollte auf keinen Fall, dass irgendwer da oben am Island Peak ein Steigeisen verliert. Es gab ein paar kleine Beanstandungen, die schnell behoben waren (unsere Eisen, die der beste Allgäuer von Allen eingestellt hatte, sassen natürlich bombenbest), dann ging es ans Fixseil.

Direkt neben unserem Zelt hatten Tami und Pemba ein Fixseil mit einer Umhängestelle aufgebaut. Bevor wir da dran durften, wurden wir erst mal vernünftig eingebunden. Die Länge der Schlaufen für die Steigklemme und den Sicherungskarabiner sollten exakt passen.

Über das in der SummitClub-Liste angegebene Material, das - ohne jetzt in Details zu gehen - reichlich veraltet ist, wurde eingehendst diskutiert. Wir hatten uns zwar auch gewundert, aber dann gedacht, die würden schon wissen, was sie wollten und das lange offene Schlauchband gekauft. Tja, unser vorhandenes Material, namentlich die langen genähten Schlingen wären genau richtig gewesen. So hatten wir jetzt halt ein paar dicke Knoten mit endlosen Bandenden am Klettergurt. Nun denn, beim nächsten Mal sind wir schlauer.

Erfolgreich abgeseilt
Erfolgreich abgeseilt

Nachdem dann alle eingebunden waren, stiegen wir an unserem Fixseil die Moräne hinauf. Auch Dani, die sich entschlossen hatte, den Island Peak doch lieber nicht anzugehen. So eine Steigklemme ist intuitiv und einfach zu bedienen, allerdings sind die üblichen Modelle definitiv für Männerhände gemacht. Ich habe keine allzu kleinen Hände, aber die Bedienung fiel mir teilweise ganz schön schwer.

Nachdem sich dann alle erfolgreich wieder zu den Zelten 'abgeseilt' hatten, war die Übungsstunde vorbei. Jetzt hiess es nur noch Packen, Abendessen, Schlafen und dann ging es los! Frühstück war für 2:00h angesetzt, Abmarsch um 3:00h. Das Abendessen gab es dafür ein wenig früher als sonst.

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