Ruhetag / Chhukung Ri

25.10.2007, Übernachtung in Chhukung, 4737 Meter

Der heutige Tag war ganz offiziell als Ruhetag ausgeschrieben, Ausruhen vor dem Island Peak. Für die Rastlosen gab es natürlich ein Alternativ-Programm, den Chhukung Ri. Der Ralle wollte natürlich auf einen weiteren 5000er steigen, ich hatte vor, den Tag damit zuzubringen, meine geschwollen Wadeln mit Selbst-Lymphdrainage zu behandeln. Das sollte mit genügend Zeit nicht allzu schwierig sein.

Morgens in Chhukung
Morgens in Chhukung

Gerhard und Christine hatten ebenfalls angekündigt, einen Ruhetag einlegen zu wollen und der Mario, dem gestern der Abstieg vom Lager am Kongma Tso furchtbar schwer gefallen war, meinte ebenfalls, für ihn sei ein Ruhetag sicher das Beste. Unvermutet ergab es sich dann auch, dass Ludwig und Edeltraud da blieben, denn Edeltraud hatte leider die nepalesische Variante von 'Montezumas Rache' erwischt und lag erschöpft im Zelt. Ludwig, der sowieso selten von Edeltrauds Seite wich, wollte seine Frau nur wegen des Chhukung Ri natürlich nicht allein lassen.

So machte sich nach dem Frühstück ein stark reduzierter Trupp auf den Weg zum Chhukung Ri. Ich lieh mir von Christine ein Buch (Schätzing, Mordshunger) baute mir im Zelt aus meinem Rucksack und den Schlafsäcken eine Füsse-Hochleg-Anlage und massierte in regelmässigen Abständen meine Beine. Im Zelt war es inzwischen so warm, dass ich nicht mehr als T-Shirt und Unterhose brauchte, was das Beine-Massieren sehr erleichterte. Und es funktionierte, die Spannung liess nach und ich musste ständig ins Klozelt.

Draussen übten Gerhard, Christine und Mario mit dem Anseil-Geraffel für den Island Peak, Edeltraud wagte sich hin und wieder in die Sonne und der Ludwig wurde geradezu dekadent und wusch mit einem Schüsselchen warmen Wasser seine Haare. Bah, Haarewaschen, wer braucht denn sowas?

Später gingen wir alle bis auf Edeltraud, die den Versuch mit Cola leider sehr schnell mit Cola-Retour quittieren musste und sich wieder im Zelt ausruhte, in die Lodge und tranken heisse Schokolade. Es war ein wahrhaft idyllisches Lagerleben auf unserer sonnigen Yakweide neben den Dinghaufen.

Die anderen stiegen unterdessen auf den Chukung Ri.

Ralle erzählt:

Außer mir gehen Werner, Michael, Gerlinde, Maxi, Daniela und natürlich Edu den Aufstieg an. Die anderen entscheiden sich für den Ruhetag.

Der Aufstieg führt die ersten 600 Hm über steiles mit Wacholderbüschen durchsetztes Grasgelände. Von Dani ist bereits nach wenigen Minuten Aufstieg nichts mehr zu sehen. Da wir heute ohne die Sherpa unterwegs sind, ist sie auf sich alleine gestellt. Der Weg ist nicht zu verfehlen und weist keinerlei objektive Gefahren auf, deshalb gehen wir zügig weiter. Die letzten 200 Hm führen deutlich anstrengender über Plattengelände, dann stehen wir im strahlenden Sonnenschein auf dem Gipfel des Chukung Ri, 5.565 m hoch. Gegenüber ragt die mächtige Lhotsewand in den Himmel empor.

Aufstieg zum Chhukung Ri
Aufstieg zum Chhukung Ri

Am Gipfel treffen wir auf zwei Deutsche die ein Lodge-Trekking machen und gestern auf dem Island Peak waren. Sie berichten von Stau an den Fixseilen und guten Verhältnissen am Berg. Das lässt uns hoffen es ihnen gleich zu tun.

Die Gipfelstürmer
Die Gipfelstürmer

Nach einer ausgiebigen Rast beginnen wir mit dem Abstieg. Am Sattel, der etwas über 5.300 m hoch liegt, treffen wir auf Dani. Sie sieht total fertig und erschöpft aus, will aber weiter zum Gipfel aufsteigen. Mit vereinten Kräften gelingt es uns, sie von ihrem Vorhaben abzubringen und gemeinsam mit uns den etwa 80 m über uns liegenden südlichen Vorgipfel des Chukung Ri zu besteigen.

Blick zum Island Peak (links)
Blick zum Island Peak (links)

Bald erreichen wir den Südgipfel, der sogar eine bessere Aussicht als der Hauptgipfel bietet. Der Gipfel ist mit zahllosen Steinmännchen regelrecht zugebaut und natürlich mit Gebetsfahnen geschmückt. Nachdem alle Fotos im Kasten sind, steigen wir ab. Der Sonnenschein und die trockene Luft haben inzwischen dafür gesorgt, dass der Abstieg eine sehr staubige Angelegenheit wird. Gegen 14:00 Uhr sind wir zurück am Lager.

Als die siegreichen Gipfelstürmer wieder unten waren, gab es Mittagessen, danach gingen wir nochmal in die Lodge um Bier (die Männer) und heisse Zitrone (die Frauen) zu trinken. Nach den unendlichen Mengen Schwarztee, die wir alle in letzter Zeit zu uns genommen hatten, tat so eine kleine Abwechslung richtig gut.

Abends zog wieder der Nebel aus dem Tal hinauf. Wir wollten uns gerade vor dem Abendessen in die Zelte, bzw. in die Schlafsäcke zurückziehen, als sich der Nebel kurz hob und uns wunderbare Blicke auf die in der untergehenden Sonne angeleuchteten Berge rundrum gestattete.

Lauern auf das beste Bild
Lauern auf das beste Bild
Bild von Ludwig

Sonnenuntergang in Chhukung
Sonnenuntergang in Chhukung

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