Sentiero Alfreo Benini
21.09.2006

Wie üblich galt in der Früh der erste Blick aus dem Fenster dem Wetter: blauer Himmel, fein! Punkt 7:30h liefen wir im Frühstücksraum auf, wo es laut Auskunft am Vortag ab halb acht Frühstück geben sollte. Zunächst sah das auch gar nicht schlecht aus, ein halbes Buffet war bereits aufgebaut, die Tische waren gedeckt und ein französisches Ehepaar hatte sich bereits an einem der Tische niedergelassen.

Was uns hätte misstrauisch machen sollen, war die Tatsache, dass es in der Küche dunkel und still war. Wir setzten uns, griffen zur Vorspeise schon mal zu den köstlichen Nektarinen und warteten darauf, dass uns jemand Kaffee brachte. Doch es tat sich nichts. Meine Suche nach irgendeinem Hotelangestellten erwies sich als genauso fruchtlos wie genervtes Fingertrommeln, bis schliesslich um kurz vor acht eine junge Frau erschien und in höchster Eile anfing, den Rest des Frühstücks zu organisieren. So konnte das mit dem möglichst frühen Start (der Länge der Runde angemessen) ja nicht klappen. Pfft!

Morgenlicht
Frühlichtspiele

Um 9.00h waren wir wieder am Refugio Valesinella (diesmal mit dem Auto) und starteten zum letzten Teil des Bocchete-Klettersteigs. Trotz der morgendlichen Verspätung machten wir noch einen kleinen Umweg zur 'Cascada Alta', der sich mehr als lohnte. Die Wasser des oberen Wasserfalls stürzen oben direkt aus dem Fels und purzeln über viele kleine Felsstufen in lustigen Kaskaden in die Tiefe. Neben dem hübschen Wasserfall ist vor allem der Weg um und durch den Wasserfall bemerkenswert, denn er schlängelt sich in geschickt angelegten Kehren neben dem Wasser durch das blockige Gelände nach oben.

Wasserfallweg
Der nette verschlungene Weg an der Cascada Alta hinauf

Als wir den Wasserfall hinter uns gelassen hatten und auf einer idyllischen Ebene auf den eigentlichen Weg gestossen waren, galt es zunächst einmal zum Rifugio Graffer aufzusteigen. Am Anfang ging es noch sehr schön und abwechslungsreich durch lichten Wald ins Talende hinter, dann aber wand sich der Weg in langweiligen Kehren unter der Corna Rossa hinauf zum Rifugio. Der Weg kam uns durch die fehlende Abwechslung sehr lang vor. Dass es nahezu 100% Luftfeuchtigkeit hatte, so dass uns Schweiss und Kondenswasser in wahren Bächen vom Körper liefen, machte den Zustieg auch nicht direkt kurzweiliger.

Rifugio Graffer
Endlich kommt das Rifugio Graffer in Sicht

Schliesslich aber erreichten wir das Rifugio und folgten dem Tipp der Mitwanderer, die uns einen Weg vorgeschlagen hatten, der in unserer Kompass-Karte gar nicht eingezeichnet war und der uns den trostlosen Aufstieg durch's Skigebiet zur Grosté-Scharte und rüber zum Einstieg des Klettersteigs durch einen kleinen hübschen Pfad direkt zum Einstieg ersparte. Anstrengend und gleichförmig war auch der Pfad, da er nach wenigen Metern ausschliesslich auf gestuften Kalksteinplatten wie am Gottesacker-Plateau verlief, aber immerhin war der Weg nicht so trostlos wie das Skigebiet.

Kalksteinplatten
Der lange Weg über die Kalksteinplatten der Grosté-Scharte

Es war nach wie vor furchtbar feucht, was wir wohl dem Dunst zu verdanken hatten, der sich im Tal festgesetzt hatte. Erst als wir uns dem Beginn des Klettersteigs näherten, schienen wir diesem Dunst zu entkommen und es wurde klarer über uns. Der Start des Steigs wurde durch ein grosses gemaltes Schild an einem Felsbrocken gekennzeichnet, doch es tat sich noch eine ganze Weile nichts, was auch nur annähend einem Klettersteig ähnelte. Wir stiegen weiterhin über endlose geneigte Kalksteinplatten an der Cima Grosté vorbei nach oben. Schliesslich aber fand sich das Ende eines Drahtseils und wir zogen das Klettersteigzeug an. Der Rückblick zur Grosté-Scharte verdeutlicht, warum uns der Weg hierher so unendlich lang vorgekommen war - er war so lang!

Rückblick
Rückblick über den langen, langen Zustieg

Trotz des Drahtseils wurde der Weg nur unwesentlich 'klettersteigiger', es ging weiterhin nur sanft nach oben, nur liefen wir inzwischen auf einem der bereits wohlbekannten Bändersysteme. Dafür wurde aber die Landschaft abwechslungreicher und bot uns wunderbare Blicke nach Osten und - durch eine Scharte - auch nach Westen. Wir befanden uns inzwischen so gut wie über dem Nebel und hatten meistens freie Sicht in alle Richtungen.

Nördliche Brenta
Der nördliche Teil der Brenta vor/zwischen Wolken

Wir arbeiteten uns auf den Bändern langsam nach oben und nach Süden. Als wir uns deutlich der Cima Brenta genähert hatten, wurde aus dem Bändersteig doch noch ein Klettersteig. Keine Leitern, aber gut kletterbare Stellen in tollem Fels, die uns erst ein gutes Stück nach unten und dann wieder nach oben führten. Dann standen wir ziemlich genau vor der Cima Brenta unweit der Stelle, an der wir am zweiten Tag auf den Benini-Steig gestossen und zur Bocca Tuckett abgestiegen waren.

Bänderweg
Bänderspaziergang, im HIntergrund der Gletscher der Cima Brenta

Das war schneller gegangen, als wir gedacht hatten, so dass unser Zeitplan trotz des verspäteten Frühstücks nun doch wieder passte. Als Nächstes stand der Abstieg der mühsam aufgestiegenen Höhenmeter an - aus meiner Sicht um einiges schlimmer als der Aufstieg (schade, dass Berge nicht einfach oben zuende sein können ;-)).

Rigugio Tuckett
Rückblick auf das Rifugio Tuckett

Wir legten die ersten 1000 Höhenmeter in einem Rutsch zurück, mit einem kurzen Fotostopp am Rifugio Tuckett, weil das Licht dort gar so schön in die Felsen schien, und hielten erst an, als wir am Rifugio Casinei ankamen, das im Gegensatz zu all den anderen Rifugios noch offen war. Dort gab es eine gemütliche Pause mit Radler und Weizen zur Stärkung für die letzten 300 Höhenmeter.

Diese letzten Höhenmeter gingen nach der kleinen Stärkung dann wieder fast einfach von den Beinen, so dass wir um halb sieben im Hotel waren. ein langer Tag, den wir wie gestern in der Pizzeria mit den tollen Holzofen-Pizzas - Le Roi, sehr empfehlenswert - abschlossen. Ich nahm eine mit Pfifferlingen ... Yummie!

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