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Weissmies (4023m)
Montag, 06.09.2004

Wir gehen wieder um 5:30h los. Ralle ist gestern nach dem Abendessen nach der Anstrengung und der durchwachten Nacht völlig geschafft direkt ins Bett gegangen und hat mit gefundenen Ohrenstöpseln perfekt geschlafen. Er kann kaum glauben, wie fit er sich fühlt.

Ich habe auch gut geschlafen, allerdings fühle ich mich überhaupt nicht fit. Ich kann nicht fassen, dass mir die Beine schon auf den ersten Metern nach der Hütte weh tun und dass ich Probleme beim Schnaufen habe. Auf 2700m! Und wir wollen heute endlich die 4000 knacken!

Nach dem gestrigen Tag wollten wir heute eine Tour, bei der man keine Spur suchen muss und auch sonst keine Probleme zu erwarten sind. Laut Führer hat das Weissmies ('das' weil Mies von Moos kommt) immer eine breit ausgetretene Spur, daher haben wir die ursprüngliche Planung (Fletschhorn, Lagginhorn, Weissmies) umgeworfen und wollen heute aufs Weissmies.

Langsam, gaaanz langsam laufe ich im Dunklen los und hoffe, meine Beine irgendwie überzeugen zu können, bis oben durch zu halten. 1350 Höhenmeter. Dass mir das Atmen irgendwie schwer fällt und dass ich ziemlich verschnupft bin, versuche ich so gut wie möglich zu ignorieren. 2 Holländer, die mit in unserem Zimmer liegen, überholen uns bald, sind dann aber gar nicht mal so viel schneller.

Nach einer Stunde erreichen wir Hohensaas und gehen auf dem breiten Skiweg in Richtung Weissmies-Gletscher. Wir können schon die ersten Seilschaften sehen, wie sie sich durch den Verhau von Spalten auf dem geröllbedeckten Gletscher winden. Je näher wir kommen umso mehr wundern wir uns, warum niemand weiter oben auf den Gletscher geht, da wo er flacher ist. Tatsächlich, wir finden einen markierten Pfad, der uns ein ganzes Stück am Rand nach oben führt, bevor er auf den Gletscher einbiegt. Schneller sind wir so zwar nicht, aber es ist bequemer.

Unten ist der Gletscher aper, aber bald schon treffen wir auf den ersten Firn. Er ist noch hart gefroren, so dass die Firnbrücken über die Gletscherspalten kein Problem sind. Allzu breit sind die Spalten da unten aber nicht. Ein bisserl unheimlich ist es trotzdem, wenn man neben sich in eine endlos tiefe schwarze Spalte blicken kann.

Nach dem ersten Steilaufschwung queren wir (auf der tatsächlich immer deutlich erkennbaren Spur) einen Gletscherbruch mit gefährlich schief stehenden Seracs, was absolut Klasse aussieht.

Meine Beine schmerzen noch immer bei jedem Schritt, aber bis etwa 3600m kann ich zumindest stetig gehen. Dann brauche ich immer öfter eine Schnaufpause. Ich bin aber wild entschlossen, diesen Gipfel zu packen und sei es nur, damit mein Allgäuer, der ja gestern wegen mir umgekehrt ist, heute seinen Gipfel bekommt. Und seinen 4000er!

Ralle ist geduldig mit mir und läuft so langsam wie ich es bin. Manchmal zieht er mich auch ein wenig am Seil. Der letzte Steilaufschwung am Grat ist in Pit Schuberts 'Sicherheit und Risiko in Fels und Eis' als Beispiel für ein paar Seilschaftsstürze angeführt, weil sich kaum jemand die Mühe macht, wegen der paar Meter zu sichern. Wir auch nicht, was aber eher daran liegt, dass wir ja gestern das Gehen im steilen Eis ausgiebig geübt haben.

Und dann sind wir oben! Rund um uns herum erstrecken sich Berge so weit das Auge reicht. Auffällig ist, dass ganz Italien von Wolken bedeckt ist und die ganze Schweiz in strahlendem Sonnenschein liegt. Leider ist es da oben gemein kalt, so dass wir uns zu unserem wohlverdienten Tee auf den Sattel hinter dem Gipfelaufschwung verziehen.

Der Abstieg geht erstaunlich schnell und ist wegen des zum grossen Teil inzwischen angetauten Firns nicht mal übermässig anstrengend. Nur unten auf dem teilweise freien Teil des Gletschers wird's ein wenig unheimlich, weil man nie so recht weiss, ob der Firn über den Spalten noch fest genug ist.

Beim Abrödeln nach dem Gletscher treffen wir wieder auf die beiden Holländer, die uns in der Weissmieshütte gegenüber liegen. Die beiden hatten sich beim Aufstieg an eine 3er-Seilschaft angehängt, sind aber dann alleine abgestiegen, weil die 3er-Seilschaft auf der anderen Seite zur Almageller Hütte weiter ging. Da wir auch eine 2er-Seilschaft bilden, fragen sie uns viel und wir erklären gerne alles was wir wissen.

In HohenSaas machen wir ausgiebig Pause und steigen dann ab zu den Weissmieshütten, wo wir uns mit Käsebrot und Bier ins Gras in die Sonne legen und uns grossartig fühlen. Also ich fühle mich grossartig und bin richtig stolz auf mich :-)

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