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Kronplatz
Samstag, 31. Januar 2004

Wir standen eine halbe Stunde früher auf, packten und warfen schon vor dem Frühstück all unser Zeug ins Auto. Wie immer waren wir die ersten beim Frühstück und weil wir uns heute nicht so viel Zeit liessen, waren wir schon abfahrtsfertig, als andere noch gar nicht aufgetaucht waren.

Über den Passo Campologno nach Corvara schien diese Strategie auch noch aufzugehen, wir waren so gut wie allein unterwegs, aber schon in Corvara nahm der Verkehr zu und nach dem nächsten Ort befanden wir uns in einer langen Schlange Autos, die sich im Schneckentempo auf Bruneck zubewegte. Und alles war Baustelle oder enge Passstrasse, keine Chance, den Bus vor uns zu überholen.

Die Gelegenheit dazu bot sich erst kurz vor der Abzweigung nach San Vigilio, unser Startpunkt zum Kronplatz. Das Dörfchen wirkte winzig und verschlafen und sah gar nicht so aus, als gehöre es zu einem der grössten Skigebiete der Dolomiten. Immerhin hatte es eine Seilbahn.

Wir stiegen in diese Seilbahn. Dann in noch eine. Und noch in eine. Und dann konnten wir ihn sehen, den Kronplatz. Der uns gegenüberliegende Berg war bis fast obenhin bewaldet und hatte einen runden breiten völlig baumfreien Gipfel, natürlich verschneit. Alles Piste, das, rund um den Berg herum.

Von allen Seiten kamen Gondelbahnen und Sessellifte nach oben und transportierten eine unglaubliche Menge Menschen auf den breiten Gipfel. Von dort stürzte sich dann alles in alle Richtungen nach unten. Oben waren die Pisten - also eigentlich DIE Piste - recht flach, sehr einfach und vor allem breit.

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Wir machten uns daran, den Berg rundherum zu erkunden und arbeiteten uns von einem Lift zum nächsten vor, gegen den Uhrzeigersinn. Ich will gern zugeben, dass wir immer schnell unterwegs waren, die relativ flachen Pisten luden geradezu ein zum Carven, aber immerhin fuhren wir immer von oben nach unten, nicht quer.

Irgend jemand machte das aber, denn plötzlich sah ich im Augenwinkel etwas quer schiessen und dann schlug der Ralle ein paar Saltos. 'Mist!', konnte ich noch denken, dann hatte ich einen seiner Ski zwischen den Beinen und machte meine eigenen akrobatischen Übungen.

Als ich mich aufgerappelt hatte - mir war nichts passiert - sah ich ein paar Meter neben mir, wie sich der Ralle langsam aufrichtete und wie benommen den Kopf schüttelte. Sonst war niemand zu sehen. Ich nahm seinen Ski mit und fuhr rüber. 'Was ist denn passiert?', fragte ich.

'Mir ist jemand quer über die Ski gefahren!', fauchte er. 'Und ich seh Sterne!'

Wer auch immer den Unfall verursacht hatte (ein Mann, da sind wir uns sicher), war nicht zu sehen. Hatte sich verzogen, der Feigling. Eine Unverschämtheit, denn auch beim Skifahren ist Fahrerflucht verboten.

Wir machten Bestandsaufnahme. Ich hatte mir das Knie ein wenig verdreht, nicht weiter schlimm. Der Ralle hatte einen Salto geschlagen und war mit dem Kopf zuerst auf die harte Piste aufgeschlagen und hatte einen furchtbaren Brummschädel und Nackenschmerzen. Seine Sonnenbrille war zerbrochen und einer seiner Skistöcke war verbogen. Die scharfe Knickstelle liess vermuten, dass jemand drüber gefahren war, wahrscheinlich der Unfallverursacher.

Beim Versuch, den Stock zu richten, brach der wie erwartet durch. Wir entsorgten ihn bei der nächsten Gelegenheit. Ralle war stocksauer und weigerte sich trotz Kopfschmerzen, erst mal Pause zu machen. Seine kaputte Sonnenbrille ersetzten wir mit meiner Skibrille. Wir fuhren weiter gegen den Uhrzeigersinn die Lifte und Seilbahnen ab und stellten dabei fest, dass die Pisten, die weit nach unten gingen, erstens steiler und zweitens leerer waren. Zweiteres wahrscheinlich wegen Ersterem, denn steilere Pisten sind anspruchsvoller.

Besonders die Pisten nach Bruneck hinunter, jeweils 1300 Höhenmeter am Stück, machten Spass und versöhnten meinen Allgäuer ein klein wenig mit dem 'Idioten-Skigebiet'. Seine Kopfschmerzen waren inzwischen auch erträglich. Sagte er.

Gegen 15.00h fuhren wir zurück nach San Vigilio, wo wir erst eine Kleinigkeit assen und uns dann mit Kaffee gedopt auf den Heimweg machten. Unsere Hoffnung, wenn man Abend führe, wären die Strassen leerer als bei der Hinfahrt, erfüllte sich. 3 1/2 Stunden später waren wir daheim.

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